Unser Kotten :

Pilsken Verlag
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An der Realisation dieses Buches sind folgende Partner beteiligt:

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www.bonnfinanz.de Manfred Nickchen

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ohne sie wäre es zwar auch möglich gewesen aber eben auch nur halb so schön ...

 

Danke auch an VELTINS für die Genehmigung dem Besten Sauerländer Pilskes den Namen zu geben, den es verdient, VELTINS.

 

 

 

Meine Vita in Erzählform

Wat is´n dat für´n Lappes?

 

Dat isser, der Peddar Timmendorf. Der, der "Sauerland, Schützkenfest, Pilskes ... und was Totes" geschrieben hat.

Zur der Zeit als der Roman entstanden ist, war ich 192,5 cm groß und hatte ein Nettogewicht, also ohne Tara, dem Warenverpackungsgewicht, odda ganz einfach, ... nackich ... wog ich, soviel dat die Waage ächzte, nämmich 127,5 kg. Den Spruch, "... wer will schon nen Sixpack, wenn er ein ganzen Fässken haben kann ..." setzte ich 1:1 um. Nen Waschbrettbauch wollt ich nie, denn wir hatten im Sauerland schon Waschmaschinen und außerdem sieht´s scheiße aus, wenn de dir den Schlüpper übba´n Bauch raspels, um de letzten Reste vonne Verdauung wegzuschubbern, wonnich. Noch stand meine Trommel und dat Bindegewebe hielt. Nach Aussagen meines Kneipenwirtes war die Plautze immer Sekundenbruchteile früher inner Kneipe, als der Kerl an dem se dranne hing. Bei 130 kg abba riss dat Bindegewebe wie ne olle, zu volle Papiertüte. Abba wie heißt et? Im Alter fällt alles nach unten, nur dat Zahnfleisch, ... dat geht nach oben, wonnich.

2003 wurde es dann abrupt wieder weniger Gewicht, abba davon später mehr ...

 

Wo kommt der denn überhaupt wech, der Säger?

 

Aus Wickede an der Ruhr. Dem Örtchen, eingebettet zwischen Ruhrbogen und Haarstrang wurde ich ´64 als dritter von insgesamt vieren inne Welt rein gestellt. Papa war Zahnarzt, Mama hatte genuch mit de vier Blagen und dem Haushalt zu tun.

 

Wat hatt´n der als Hosenscheißer bis zur ersten Fluppe gemacht, der Lorbass der ...?

 

Bis zum 13ten Lebensjahr wusste dat Dorf Wickede wer ich war und das hatte nur am Rande mit dem Umstand zu tun, dass Papa im Dorf die Zahnarztpraxis betrieb. Ich warf Stinkbomben inne Dorfkneipe, weil der Wirt, meinen Papa, beim Skat beschissen hatte. Schmiss wenige Wochen nochmal vier inne Kneipe und sprengte damit ne Ratssitzung. Warum? Weil ich Spass dran hatte. Lies die Luft aus zwei Reifen des Polizeiwagens, weil der Dorfpolizist, Herr Schmid, meiner Mama, für "nicht Blinken" an einer abknickenden Vorfahrt, 10 Makk abgenommen hatte. Kappte sämtliche Rosenblüten im volumigen Blumengarten vom Friseur Kruse, weil er im Haarspraydelirium meine blonden Schillerlöckses abgeschnitten hatte und bekam selbst mit 13 noch immer ne dicke Scheibe Fleischwurst beim Dorfmetzger Hackethal, wenn ich mit Muttchen einkaufen war. Ich war eben de spitzbübische, charmante Sonnenschein ausse Familie, der immer mit nem breiten, freundlichen Grinsen durch de Welt lief... und dem Lorbass (Lümmel) auffe Stirn getackert war.

Auf Grund meiner expliziten, wirklich herausragenden ... schlechten Schulleistungen auf dem Mariengymnasium in Werl, wechselte ich auf die Internatsrealschule Schloss Crassenstein in Diestedde. Eine Institution die geradezu prädestiniert dafür war, Rattemazeng (Blödsinn) zu machen. Das Internat wurde vier Jahre zu meiner "Bühne". Schulisch lief es, die Aufgaben wurden täglich, nach knapp 3 Stunden Silentium (dat is Lernen bis der Kopp qualmt und der Füller glüht), kontrolliert. Gelernt wurde in kleinen Arbeitsgruppen und gute Noten wurden mit Vergünstigungen, wie Ausgang, oder den Samstagabend Spätfilm gucken (Western mit John Wayne), belohnt. Dat mit den Vergünstigungen stellte sich bei mir relativ schnell ein, wurden aber fixe widda durch den Umstand kompensiert, dass ich einfach zu großen Spass am Tinnef und Tralafitti (Unsinn) machen hatte. In Kürze wird es darüber eine Erzählung geben, die ihr hier kostenfrei lesen könnt.

Danach folgte die Höhere Handelsschule in Neheim-Hüsten. Schulisch ... wieder maximal im "ausreichenden" Bereich, weil der Stoff mir zu dröge war. Der Spassfaktor allerdings hatte durchaus Qualität.

Mit dem Rauchen habe ich im Winter´78 angefangen, beim Schlittenfahren auffem Ziegenberg.

 

Wat hatt´er dann gemacht der olle Schlickenfänger?

 

Im Alter von 19 machte ich mich auf die Suche nach mir selbst. Jedoch mit wenig Interesse daran, mich auch finden zu wollen. Warum auch? Ich fand das Leben knorke, so wie es war. Mit viel gutem Willen meiner Lehrer, Herrn Vorwerk (Wiso und Deutsch), Herrn Schramm  (Englisch) und Herrn Krozeck (Rechnungswesen), konnte die massive Intervention von Frau Ostermann, (Spanisch), mich durch die Abschlussprüfungen der Höheren Handelsschule fallen zu lassen, gerade noch abgewendet werden. Danach fuhr ich 6 Wochen mit nem Inter-Rail Ticket in Begleitung eines Freundes durch Südeuropa (Geschenk meiner Eltern für den mühsam und im Notendurchschnitt, doch recht grenzwertigen Abschluss). Wieder zu Hause jobbte ich bei einer Spedition. Brachte tagsüber mit nem 7,5t LKW, Mars, Treets (heute Schokonüsse), Bounty, Milky-Way, Snickers, Raider (heute Twix) ins Bielefelder Land und 3 mal die Woche, nachts die Bild-Zeitung von Essen-Kettwig nach Paderborn. Zu guten Zeiten hatte ich bis zu 1.000 DM netto pro Monat. ´83 ne Menge blinkender Tattas, für so´n lockigen Hibbelskopp.

Mama und Papa waren sicher, dass mir der Wehrdienst (damals noch Pflicht) den nötigen Schliff verpassen würde und mir die Sicht auf´s wirkliche Leben vermittelte. Meinen einser Musterungsbescheid feierten sie, wie den 75sten von Oppa. Aber Hans im Glück hatte Pech verglichen mit meinem Leben zu dieser recht unbeschwerten Zeit. Der Bescheid zum "Einrücken" war auch heute morgen noch nicht in der Post.

 

Wann hatt´er sich endlich dem Leben gestellt, der uselige Stieselkopp?

 

Mit Anfang 20. Ich begann eine Ausbildung zum Restaurantfachmann im Kurhotel Hoheleye, in Winterberg-Hoheleye. In den 80gern eins der besten Sauerländer Hotels.

Insgesamt verbrachte ich fast 5 Jahre in Winterberg, bevor es mich zurück trieb nach Wickede. Ich parkte meinen zu der Zeit noch schlanken und durchtrainierten Korpus bei Muttchen. Mein alter Herr war, die guten holt sich der alte Juppes immer zuerst, mit Ende 50, an einem Herzinfarkt gestorben und dat Muttchen war froh, wieder jemanden zu haben, der mit ihr zusammen das große Haus bewohnte.

Vatter Karl, "Sauerland Schützkenfest, Pilskes und was Totes", ist auch für dich. Du bist nich wech. Du kanns gar nicht wech sein, denn ich red täglich mir dir.

 

Womit hatt´er de Tattas verdient?

 

Ich war im Außendienst, ich war selbstständig, fuhr kreuz und quer durch das schöne Deutsch"e"land. Zuerst verkaufte ich Stahl im Pott. Dann Renovierungssysteme für Türen und Treppen im Franchise-System.

Nachdem das Unternehmen in einen, für mich heute noch fragwürdigen, Konkurs ging, schloss ich mich dem ehemaligen Vertriebsleiter der Firma an und wir verkauften die Produkte ohne Franchisegebühr. Das dieser Mann seine Produzenten und auch mich beschiss merkten wir erst, als wir in Erfahrung brachten, dass er zusätzlich zu seinem 850i BMW, seinen 2 Häusern auch noch einen 74ger Rolls Royce Silver Shadow, als Cabrio in der Garage hatte und sich eine Beteiligung an einer 8sitzigen Cessna kaufte. Inzwischen war ich von Wickede ins Sauerland gezogen und als "Neusauerländer", als Pohlbürger oder Buiterling, wie man hier sacht, übernahm ich die Eigenschaft, dass man alles mit uns machen darf, nur bescheißen, dat tun wir uns wenn ... selbs, woll. Dann stellen wa uns nämmich vorn Spiegel und betuppern uns, bis der Spiegel platzt, wonnich. Da brauchen wa keinen andern für. Also zeigte ich ihm, wat passiert, wenn ein Münsterländer einen Sauerländer bescheißen tut. Dat macht er nämmich nur einmal, weil danach kann´er nämmich nix mehr machen, wonnich.

Danach, ausgerüstet mit frischem Kapital ordnete ich mein Leben ein weiteres Mal. "Jepp, is peng (unwichtig) wie oft du im Leben auffe Fresse drauf fälls! Wichtig is, datte immer widda aufstehen tus und dein Lächeln jedes Mal breiter is." Ich beherrschte das Fallen inzwischen in Perfektion und im Aufstehen war ich nahezu brillant. Mein Grinsen, mein unerschöpflicher Optimismus und meine durchaus sonnige Einstellung wurden jedes Mal stärker. War auch gut so, denn ich sollte noch so manches Mal im Leben tief inne Moderpfütze fallen, wonnich.

Ich begann wieder damit, Verkaufsseminare zu besuchen. Das hatte ich schon ´88 getan, um mich auf den Außendienstjob vorzubereiten. Schon damals war ich fasziniert von den Suggestionsmöglichkeiten des Wortes. Irgendwie hatte ich das "verkaufen" intuitiv drauf. Schon im Kellnerjob war es mir gelungen, die Umsätze an der Bar oder im à la carte Restaurant so zu puschen, dass ich mit der Umsatzbeteiligung und dem Trinkgeld, mein Ausbildungsgehalt fast auf Oberkellnerniveau schrauben konnte.

Die Verkaufsseminare hatten psychologischen Charakter. Zusätzlich zu den Taktiken eines erfolgreichen Verkäufers, machte man mir klar, wie wichtig es ist, die Körpersprache eines Menschen zu deuten. Das Mimik und Gestik aussagekräftiger und immer ehrlicher ist, als das was man sagt. Die non verbale Kommunikation zeigt Vorhaben, Meinungsbildung und auch Absicht viel früher an, als der Satz im Kopp gebildet wird. Es war überraschend, wie elementar der Mensch durch einfache Gesten zu manipulieren ist. Wie stark die praktizierte Suggestion einen Gesprächsverlauf beeinflussen und auch steuern kann. Ich beschäftigte mich einige Monate damit, hängte eine intensive Rhetorikschulung hinten dran, so dass es mir möglich war, aus dem gesprochenen Satz, die wirklichen Wahrheiten und Zielrichtungen zu erkennen. Die sind nämlich oft anders als das, was der Gesprächspartner sagt. Mit den Abschlüssen durfte ich mich Dozent nennen. Für ein paar Monate referierte und leitete ich eigenständig Verkaufsseminare. Vorrangig für Verkäuferfrischlinge. Als mir das Theoretische zu theoretisch wurde, ging ich zurück in den Vertrieb.

Ich nahm ich die Treppenrenovierung selbst in die Hand. Verfeinerte das System, erweiterte die Produktpalette und suchte mir einen vertrauenswürdigen Partner. Noch war die Treppenrenovierung ein Nischenprodukt. Aber mit Hilfe von Willi, bester Freund und Nachbar, gelang es uns, das Produkt aus der Marktnische heraus zu heben. Noch heute bin ich sicher, dass wir es auch geschafft hätten, uns gegen die immer stärker werdende Konkurrenz zu behaupten. Die Treppenrenovierung entwickelte sich bombastisch. Immer mehr wollten an diesem aufkommenden Markt partizipieren. Ende der 90ger ging es mit Kawumm und Effett höher hoch, als der Kahle Asten is ...

Beruflich lief es dann 2002 ... abba eher gar nich mehr. Die Konkurrenz, allen voran die führenden Laminat und Parketthersteller, hatten das Potential unseres Systems zur schnellen, einfachen, sauberen und wertbeständigen Treppenrenovierung erkannt und begannen uns sukzessive das Wasser abzugraben.

Die wps Stufe war eine der wenigen einteiligen Stufen. Andere Hersteller arbeiteten mit zweiteiligen und nutzen das Aluminiumprofil als sichtbare Verbindung. Bei wps aber wurde das Profil mit der alten Stufe fest verbunden und das neue Trittelement so ins Profil eingefasst, dass es hinterher unsichtbar war.

Zudem hatten Willi und ich das System von der Montage her so vereinfacht, dass es genau in die Produkt,-und Angebotspalette der Baumärkte passte. Speziell die Heimwerkerfraktion, sprang darauf an, wie die Schützkenbrüder anne Theke, nach´m Schützkenumzuch bei 32 Grad Außentemperatur.

All das erweckte Begehrlichkeiten bei den "Großen". Es waren unsere Hersteller, die Firmen die für uns produziert hatten die uns nun als wps, als Mittler zwischen Hersteller und Verarbeiter, ausknipsten. Mit fadenscheinigen Begründungen wurden unsere Bestellungen immer wieder verzögert oder es wurde uns bewusst "C-Qualität" geliefert, deren Mängel oft erst nach dem Einbau auftraten. Die exorbitanten Reklamationskosten verbunden mit der Unfähigkeit fehlerfreien Ersatz liefern zu können, brachte die wps und damit eben auch Willi und mich an den Rand unserer Möglichkeiten.

Einen gravierenden Fehler hatten wir gemacht. Wir hatten uns unsere Idee, unsere Weiterentwicklungen des Systems, nicht schützen lassen. Willi hatte noch mal ne Menge von seinem Privatvermögen eingesetzt, um dieser Entwicklung entgegen zu steuern. Als wir dabei waren die Ideen zum gegensteuern umzusetzen oder das "Töröö" zum Gegenangriff schon geblasen hatten, starb mein Freund Willi ...  und ich fiel widda inne Modderkuhle. Willi, "Sauerland Schützkenfest, Pilskes und was Totes", hätte dir gefallen. Es ist auch dein Humor, der im Buch lebt. Danke, für deine Freundschaft.

Ich verkaufte noch ein paar Monate die Treppenrenovierungselemente, das Parkett und das Laminat über das Internet an Handwerker und Endverbraucher, auf eigene Rechnung und Verantwortung. Auch auf Druck des Finanzamtes, aber vorwiegend weil ich selbst weder die Lust, noch die Kraft hatte, allein weiter zu machen, hörte ich schließlich auf. Das was noch zu verkaufen war, verkaufte ich und hatte so wieder ein stattliches Sümmchen zusammen, dass es mir erlaubte eine zeitlang gar nix zu tun.

 

Was war denne du, Drölebacke?

 

Ich mochte das Dorf in dem ich lebte, mochte die funktionierende Dorfgemeinschaft. Ich mochte den Zusammenhalt, fand es knorke und töfte, dass man nirgenswo eingeladen wurde, sondern einfach hinging, weil man als integrierter Dörfler sowieso eingeladen war. Ich mochte meine Freunde und meine Stammplätze anne Theken der Dorfkneipen in der näheren Umgebung. Ich mochte die Gespräche der Alten, wenn se de Dönekes von früher erzählten, mochte die abendlichen Knobelrunden. Mochte die bunte Mischung der Gäste in den Kneipen, vom Oberkommissar über den Dorfdoktor, bis hin zu Fabrikanten oder dem Postboten und Mitarbeitern des Ruhrverbandes. Alle waren da, viele waren einfach immer da und wir hatten oft mehr Spass als zu Hause bei unsre Hippen woll. Wer hat den auch schon Spass wenn´se pausenlos am rumkrakehlen dranne sind, wonnich. Warum die meckerten versteh ich bis heute nich? Wir war´n doch nur inne Kneipe und nich im Kotten, wo de Mädken ohne Eukolütengeschirr (BH), umme Möppen (Hupen oder Busen), aufpassen mussten, dat ihre frei schwingenden Lollos (Busen oder Hupen) nich de Pilsgläskes vom Tablett feechten.

Der Wirt "Wenneer" in unserer Stammkneipe zapfte ein Pils, das den Begriff "Herrgöttli", in der Schweiz das Synonym für ein 0,2l Pils, verdient hätte, wenn ihn nicht, die Schweizer erfunden hätten. Ebenso wie das Kräuterbonbon "Riiiicola" auch. Resi, die Wirtin, machte so lekker Frikadellkes, Reibeplätzkes, Koteletts, Schnitzelkes und Bütterkes, dat wir Stammchäste manchmal sogar dat lekker Pilskes inne zweite Quadrillje (zweite Reihe) stellten. Es wurden, neben nem Skat auch Doppelkopp und derbe Sprüche gekloppt Es wurde geknobelt bis die Theke brach und es wurde, ... ich muss es so schreiben, es wurde ...  gesoffen odda zarter, hin und wieder ma einen übber´n Durst getrunken, wonnich. Dat geht irgendzwie abba nich, weil ein Sauerländer imma Durst hat un deshalb, da dann auch nich einen drübber trinken kann, wonnich.

Für de Hippen, war es die dunkelste Kaschemme der Welt, für uns Stammgäste war es dat Wattezimmer vorm Himmelstor. Kennt ihr das Lied von Peter Alexander, "Die kleine Kneipe"? Wenn ihr es kennt, dann wisst ihr was für uns diese Kneipe war. Aus der alten Musikbox plärrte Ronny "Hohe Tannen", Freddy Quinn sang "Junge komm bald wieder" und das modernste Lied war "Gute Nacht Freunde" von Reinhard Mey.

Wir Gäste konnten nen Deckel machen. Manche von uns erteilten "Wenneer" ne Einzuchsermächtigung vonne Penunsengarage (Konto) anne Spasskasse. Da konnte er dann einmal im Monat den Deckel abrechnen ... immer vorausgesetzt dat wat drupp war, wonnich.

Es waren die Kneipen, die Dorffeste und die vielen anderen Feiern bei denen ich, damals noch unbewusst, den Stoff für "Sauerland, Schützkenfest, Pilskes und was Totes" sammelte.

 

Als ich die wps verkauft hatte füllte ich die Zeit mit gar nix tun damit an, dass ich begann die ganzen Geschichten und Dönekes vonne Alten aufzuschreiben. Die Geburtsstunde von "Sauerland, Schützkenfest, Pilsken und was Totes"

 

Wie ging´s denn nu weiter mit dich du ... Hibbelskopp?

 

Nachdem ich mich monatelang mit dem Manuskript, damals hatte es noch den Arbeitstitel "Heidi ... witzika", beschäftigt und die Entscheidung nicht weiter zu machen verknust hatte, sagte mir ein Blick auf meine Penunsengarage und mein Portemonnaie, dat dat nich mehr lange so weiterging mit meinem "lustigen Lebenstil". Emphatisch, aber durchaus mit Verständnis für meine desolate Finanzlage sagte mir dat auch ... der Gerichtsvollzieher. Er lies mir zwei Monate Zeit, um meine Angelegenheiten, respektive mich selbst zu ordnen und mich so in die Welt zu stellen, dass ich wieder in der Lage war, meine Rechnungen auch zu bezahlen, anstatt sie nur dafür zu verwenden, meinen Kaminofen zu anzufeuern.

Die Peiasköppe vom Tattaamt, die Raubritter mit staatlicher Weisungsbefugnis, also die vom Finanzamt, waren nach Monaten der intensiven Recherche, mehreren Meetings und Sondersitzungen zu der Auffassung gekommen, dass die wps irgendzwie vom rechten Wege abgekommen sein musste, seitdem ich die Geschäfte alleinverantwortlich führte und dass beim Verkauf der kleinen Handelsagentur "wps, übrigens ne Abkürzung für Willis und Peters Stufen", irgendzwas falsch gelaufen sein musste. Niemand echauffierte sich über den Fakt, dass die Wohnungsgesellschaft "Neue Heimat", Eigentümer von weit über 300.000 Wohnungen und einem Jahresumsatz von mehreren Milliarden DM, 1986 für eine Mark verkauft wurde. Abba mir wollten se de Räder vom Karren des Lebens schrauben, weil ich die wps offiziell für 50 Cent, eben die symbolische Mark, verballert hatte.  

Zumwinkel, Geschäftsführer der Deutschen Bundespost, ehemaliger Träger des Bundesverdienstkreuzes, hätte aus spassigem Übermut, wahrscheinlich freiwillig die Kohle von weiteren zwei seiner unentdeckten Schwarzgeldkonten verbrannt, wenn er die Zahlungsaufforderung bekommen hätte, die man mir dann unter die Kappe schob. Man muss das natürlich ins richtige Verhältnis setzen. Zumwinkel musste ne Millionen nachzahlen, weil er angeblich "nur" ne Millionen hinterzogen hatte. Bei mir saßen die vielen Nullen immer noch im Amt für de Tattas. Abba die Nullen, die bei dem Steuerbescheid hinter den ersten zwei Zahlen standen ... Ohhauehaueha. Die schürten die Hypothese, dass ich die finanzielle Lage damals wohl vollkommen falsch bewertet hatte. Das Tattaamt bezifferte den Jahresumsatz, somit den Wert von wps und den daraus erzielten Verkaufserlös, mangels fehlender oder nicht eingegangener Steuererklärungen, auf eine Summe, die durchaus längere Zeit für ein sparsames aber sorgenfreies Leben ohne Job gereicht hätte. Die daraus errechnete Nachzahlung, plus Säumniszuschläge, Verzinsung und anderem Krimselkrams, hatte mit der Realität ebenso wenig zu tun, wie die Chance, dass mir irgendwann mal einfällt, wo Atlantis denn nun wirklich liegt. Es gelang mir zwar, mit Hilfe eines guten Steuerfachanwalts, die Summe drastisch nach unten zu drücken, aber selbst der Rest belief sich auf einen Gesamtbetrag, den ... andere schwer depressive und labile Gemüter, dazu veranlasst hätten, sich vorn Zuch zu werfen.

Ich? Ich ging inne Kneipe und machte nen anständigen Zuch durch de Gemeinde. Da wirse zwar morgens unorientiert wach und weiß für Stunden nich wat de bis, wo de bis, warum du überhaupt bis und wie es überhaupt dazu gekommen is, datte getz so bis, wie de bis, abba du wirs wenigstens wieder wach und findes auch im Laufe des Tages alle Antworten, die nur einen Rückschluss zu lassen, du warst einfach über 3 Tage voll wie´n Zuch zum allmorgendlichen Berufsverkehr, wonnich.

Mich wegen ner Zahlungsaufforderung vom Finanzamt vorn Zuch schmeißen??? Nää, wie beklopp is dat denn? Ich brachte mich in eine Situation, die es mir erlaubte, den Steuerbescheid lesen zu können, ohne das mir gleich die Klabusterbären vor geplatzter Anspannung die Unterbux versauten. Dann suchte ich mir einen Job. Kurz überlegte ich, ob ich zurück in den Vertrieb wollte. Verkaufen war das einzige was ich konnte. Aber es zu können heißt nicht, es auch zu wollen. Ich wollte nämmich nich. Als Dozent arbeiten? Nää ... versprach zwar gutes Geld aber hatte bei mir den Geschmack, wie 2 Jahre altes Knäckebrot aus ner luftdurchlässigen Tuppa Dose.

In solchen Situationen unterstütze ich mein Denken damit, dass ich mich ins Auto setze und durch die Gegend fahre. Schon gegen 5 Uhr morgens fuhr ich los. Meine exzessive Sauerlandtour führte von Arnsberg, über Brilon, nach Winterberg, Bad Fredeburg und Schmallenberg. Von da gings zurück zum Hennesee, nach Meschede und dann am Möhnesee vorbei in Richtung Soest. Nun hatte ich zwar viel tolle Gegend und einen geradezu malerischen Sonnenaufgang gesehen, war aber immer noch nicht weiter. Dann vielleicht die zweite Wunderwaffe, die meinen Geist schon oft beflügelt hat. Nää, nich zum lekker Pilskes trinken inne Kneipe. Mit mieser Laune schmeckt mir kein Pilskes. Ich find´s auch nich richtich, dat so was Lekkeres dafür eingesetzt wird, den trüben Geist aus dem Nebel zu führen. Ich mach´s immer anders rum, Geh beflügelt inne Kneipe, um den Geist zu benebeln. Hat irgendwie mehr Klasse ...

Ich ging Steakessen beim Jugoslawen an der B1 in Richtung Werl. Für dat 300 g Rib-eye Steak, mit einer Kräutermarinade, Speckböhnkes und handgeschnitzten Pommes, würde selbst das Rind, aus dessen Hochrippe das Steak stammt, ehrfurchtsvoll inne Knie gehen. Es war wie immer lekker, aber bis auf die Idee und Überlegung, mir ein weiteres Steak zu bestellen, ohne Böhnkes und Pommes, blieb´s ruhich inner Synapsengarage (Hirn).

Auf meinem Weg zurück nach Hause fuhr ich intuitiv durch eins der Soester Gewerbegebiete. Vielleicht war ja da was. Ohne mir dessen bewusst zu sein, befand ich mich plötzlich auf dem Hof einer Spedition und knappe 30 Minuten später hatte ich einen Job als Fahrer. Mir fehlte die Erfahrung und mehr als einen 7,5to durfte ich mit meinem Führerschein und der alten Klasse 3 auch nicht fahren, aber ich hatte vom ersten Tag an richtich Spass inne Backen. Nach gut einem Jahr machte ich eine Weiterbildung zum Berufskraftfahrer, was in meinem Fall bedeutete, dass ich meinen LKW Führerschein machte. Es gab ne feste Tour mit immer wieder kehrenden Kunden, der Aktionsradius umfasste eine tägliche Kilometerleistung zwischen 250 und 300. Ich fing morgens um 5 an und war Nachmittags gegen zwei, spätestens aber gegen drei damit durch. Es gab wenig Druck seitens der Disposition und als er dann doch kam, machte ich klar, dass neun bis zehn Stunden definitiv genug Arbeitsleistung waren. Mehr würde meinen Stundenlohn auf ein Niveau drücken, dass ich vor mir selbst nicht rechtfertigen konnte. Überstunden wurden nicht bezahlt, sondern waren laut Arbeitsvertrag im Festgehalt enthalten. Wenn ich nun beginne hier über die Bezahlung eines Berufskraftfahrers zu lamentieren und das zum Beispiel mit dem Einkommen eines Sachbearbeiters vergleiche, dann wird offensichtlich, was wir alle schon seit Jahrzehnten wissen, aber auf Grund unserer Mentalität auch nicht ändern. Nämlich das es kaum etwas ungerechteres gibt als das Lohnniveau in unserem schönen Deutsch"e"land.

Ich selbst hatte keinen großen Grund zu mosern. Dat is eben auch´n Vorteil, wenn man sich in sonner Moderpfütze auskennt, wonnich. Wenn man weiß wie es is auffe Fresse zu liegen. Wenn man von nem unbeschwerten Trallafitti Leben auf ein Niveau zurückgestuft wird, wo zwar auch ne Menge Trallafitti is aber du selbs kaum dat Geld für Trallafitti hast. Wie war das noch? Genau: "Es ist zwar nicht mehr viel, aber es ist die Freude am kargen Rest!" Ich wusste wie es mit viel Trallafitti geht und hatte gelernt auch mit wenig Trallafitti glücklich und zufrieden zu sein.

Von den schlecht Verdienenden war ich immer noch der Bestverdienenste. Ich nahm meinem Chef beim Wort als er mir bei der Einstellung sagte, dass ich für drei Monate erst einmal "nur" das verdienen würde. Dann wüsste er, wie ich arbeite und ich wüsste, ob ich das weiter machen wollte. Erst dann sollte das Thema Geld thematisiert werden. Nach drei Monaten wollte ich immer noch, thematisierte das Thema Geld und er musste, ob er wollte oder nicht ne ordentliche Schüppe drauflegen. Ich machte meinen Job nämlich inzwischen richtig gut, qualifizierte Fahrer waren auch in der Zeit schon schwieriger zu finden, als Edelweiß inne Alpen und auch im mich selbst verkaufen, war ich nicht ganz so übel.

 

Warum bisse denn wech vons Dorf du Hibbelskopp ...?

 

Meine knapp 100 qm² große Dachgeschoßwohnung, mit FKK tauglicher Sonnenterrasse, in die ich nach Willis Tot gezogen war hatte ich schon kurz nach Arbeitsantritt bei der Spedition gegen eine 28 qm² große Singlewohnung, in nem Dorf vor Soest eingetauscht, in dem ich dann neben dem kaputten Zigarettenautomaten und den trächtigen Lämmekes, wohl für Monate die größte Attraktion darstellte.

Jepp, ich hatte meinem "geliebten" Dorf an der Möhne den Rücken gekehrt. Warum? Tja warum ...? Klar strukturierte Gründe dafür gab es nicht. Es war eher wieder so eine Bauchentscheidung. Klar, hatte ich, mit meinem Aggressionsgeladenen Agieren nach dem Tot von Willi und auch mit meinem depressiv angehauchten Verhalten, den ein oder anderen Dörfler, wie aber auch Freunde und Bekannte verärgert, einzelne vielleicht sogar eklatant gegen mich aufgebracht. Aber das war nix, was ich nicht mit ner Entschuldigung und ein paar von den lekker Pilskes wieder in Ordnung hätte bringen können. Nää, es waren auch nicht die wilden, hoch spekulativen Gerüchte über mich und meine "verlotterte Lebensart", die schon so weit ausgegoren waren, dass der Dorfpastor überlegte, seine Glaubensgemeinschaft zur Reue und Sühne auf nen den Kreuzgangmarathon zu schicken und die schlimmsten Dorfratschen auffordern wollte, den Gang nach Canossa anzutreten.

Man muss dat ja auch ma "nüchtern" (komisches Wort für einen Sauerländer, wenn es nach dem allgemeinen Klischeedenken über uns geht) betrachten, dat je mehr über einen "aufsässigen, abnormen" Dörfler gekujert (geredet) wird, um so enger ist er mit dieser Dorfgemeinschaft verwachsen. Viel schlimmer is doch, wenn´se sich ma gar nich äußern, dann bisse nämmich so interessant wie´n Hasenfurz und gehörs genauso wenig dazu, wie´n Fuchs im Hühnerstall dazugehört. Nää, auch die Gerüchtekes waren nix, was ich nicht durch eine, für´s Dorf vorbildliche Lebensweise hätte richten und entwerten können. Ich arbeitete ja auch wieder, also war ich ja auch wieder.

Mein Bauchgefühl forderte den Auszug und den Wegzug aus meinem Dorf. Ich kann es schlecht erklären, obwohl mir augenscheinlich, selten de Worte ausgehen. Immer wenn ich ein Druck im Unterbauch habe und genau sondieren kann, dat dat nu nix mit der Erbsensuppe von Mutta zu tun hat, weiß ich, dass was im argen liegt und ich was verändern muss. Mein Kopp sagte mir, dass ich nur das ... was auch immer es sein sollte ... erreichen würde, wenn ich alles bisher gewesene hinter mir lassen würde. Also wieder so was wie ne Entkernung meiner selbst. So langsam hatte ich die Faxen dicke mit der Saniererei und Renovierung meines Lebens. Der Berliner Flughafen hat weniger Mängel und würde wohl früher feddich sein, als ich mit dem Ziel, endlich mal in Ruhe leben zu können. Ich war Mitte 40 und hatte nicht eins von den drei Dingen gemacht, die ein Mann in seinem Leben tun sollte. Bei zweien davon bin ich relativ sicher. Ich hab nie nen Baum gepflanzt, sondern dat Tänneken für Weihnachten immer aussem Arnsberger Wald geklaut. Auch hab ich nie´n Haus gebaut, sondern in angemieteten gewohnt. Manchmal habe ich Freunden geholfen ein Haus zu bauen, nur um ihnen nach wenigen Jahren zu helfen, es wieder zu verkaufen, weil die Ehe inne Fritten war und du als Alleinverdiener mit Normalgehalt heutzutage nich mehr inner Lage bis, dat allein zu wuppen.

Beim dritten? Na ja, wissentlich hab ich nie´n Kind gezeucht, aber trotzdem jedes Jahr Vattertach gefeiert, denn man weiß ja nie, wer im Laufe eines Lebens an deiner Tür klingelt, wonnich. Und den Vorwurf ne anständige Sauferei verpasst zu haben, wollte ich mir einfach nicht machen.

Nebenbei hat meine Lieblingsbehörde, genau dat "Tattaamt" dafür gesorgt, dass ich zumindest steuerlich zum Papa aufgestiegen bin. Ich hab da nämmich getz, seit meiner Hochzeit im September`15, zwei halbe, von den insgesamt drei vollen Kindern meiner Frau, auf der Katte wonnich.

Es gibt den obigen Spruch ja auch in abgewandelter Form nämmich so. "Drei Dinge die ein Mann in seinem Leben tun muss. "Ein Haus bauen, ein Kind zeugen und ein Buch schreiben." Bei eins und zwei werde ich immer noch ein sattes "unchenügend" einfahren. Aber beim dritten besteht die reelle Chance die Durchschnittsnote so puschen, dass ich im Lebensabschlusszeugnis, mit der Gesamtnote 4,3, mein "versetzt" bekommen werde.

Zurück zu meine inneren Organe wonnich. Mein Bauch sagte mir also, "Geh wech von hier. Muss nicht weit wech sein. Wech, reicht schon." Ich war mit Bauch ein Bauchmensch und würde auch ohne Bauch ein Bauchmensch bleiben. Ich hör auf die Trommel. So´ne Plautze, ob dick, dünn, mit oder auch mit ohne funktionierenden Bindegewebe, kann mehr als Hunger und Durst signalisieren oder Blähungen produzieren. Auch weil Kopp und Bauch sich selten so einig waren, ging ich. Es war an der Zeit oder wie wir hier sagen, es war "Viertel vor Buxenknopp ..."

Ich bin nich sentimental ... nicht übermäßig ... aber noch heute kommt ein wenig Melancholie hoch, wenn ich an den Tag denke, an dem ich das Dorf verlies.

 

Wohin bisse gegangen du wandernder Buiterling du ...?

 

Ich schrieb bereits von dem einsamen Flecken nahe Soest. Es war ne extrem triste, öde und auch monotone Lebensphase. Ebenso, wie sich mir auch das Dorf präsentierte. Es präsentierte sich so, weil meine miesepetrige Stimmung in dieser Zeit keine andere Präsentation zugelassen hätte. Ich wollte nicht, das mir der neue Kotten gefiel, also gefiel er mir auch nicht. Dat Dorf und auch die Dörfler können nix dafür.

Ich fand es schon bemerkenswert, dass allein der Haarstrang dafür sorgte, die Mentalitäten der Menschen zu trennen. Je nach Sichtweise, ich nehm die des Sauerländers, der vorm Haarstrang wohnen tut, war die Welt hinter dem Hügel, auf dem schon Kaiser von Aachen aus nach de Kommunisten fuhren, ne ganz andere. Herzlichkeit ist sicher nichts, was sich ein Sauerländer auf seine Familienfahne schreiben würde, auch wenn er es ist. Abba der Menschenschlach ausse Soester Börde ... Ohhauehaueha ... sach ich da nur. Der is ma wat ganz anderes. Sturheit is ja ne Eigenschaft die dem Sauerländer neben dem Pülleken vom Besten Sauerländer Pilskes, schon inne Wiege rein gelegt wird. Abba wat legen se dann nem Kind ausser Börde inne Schauckelschachtel? Vielleicht lag es ja auch an mir, abba ich wurd mit denen nich warm. Noch mal, bitte versteht mich richtich, hinter dem Hügel wohnen keine Schlechten. Meine Eindrucke basieren auf meiner damaligen desaströsen Gesamtverfassung und sind somit sicher kein Maßstab. Und wenn´ste Sauerländer bis, dann leb´se dat Sauerland und dann is eben nix, abba auch gar nix besser, als dat Land der Tausend Berge, der hunnert Brauereien und minigens fuffich Schwarzbrennereien, wonnich.

Ich konnt in dem Dorf hingehen wo ich wollte ... Gut viel zum hingehen gab´s da nich, mehr zum wech gehen, abba es war für mich als extrovertiertes Kerleken ein Ding der Unmöglichkeit einen Kontakt aufzubauen. Nach drei erfolglosen Versuchen lies ich es dann bleiben. Ich wollt mich auch nicht mit den Kinderfahrradstützradfahrern am Nachmittag vorm kaputten Zigarettenautomaten treffen und Bob der Baumeister Bildchen tauschen, also blieb ich für mich.

Da mir Langeweile zu langweilig ist und ich diese Eigenschaft schon vor Jahrzehnten aus meiner Lebensvita gestrichen hab, suchte ich mir in meiner kargen Freizeit andere Betätigungsfelder. Karge Freizeit aus dem Grunde, weil ich in der Woche kaum welche hatte. Ich war Mitte 40 und hatte bis zu der Zeit als LKW Fahrer, körperlich weniger gearbeitet, als´n 16jähriger auf´m Bau, während eines 3tägigen Praktikums. Wenn ich am Nachmittag nach Hause kam, duschte ich, machte mir Abendessen und war häufig schon vor den Abendnachrichten im Bett.

An den Wochenenden fuhr ich einfach wech. Den Rhein runter, die Mosel wieder rauf. Durch die Eifel rüber ins Bergische Land oder an die Nordsee. Von meiner Zeit als aktiver Vertriebler kannte ich die schönen Ecken Deutsch"e"lands und schon damals hatte ich mir immer vorgenommen, genau diese Ecken noch einmal zu besuchen, wenn ich mehr Zeit habe.

Einsam? Jepp es gab Momente in denen ich mich verlassen, verloren und einsam fühlte. Zeiten in denen ich mir die Fragen stellte, die wir uns alle mal stellen. War´s das? War das alles?

Um ehrlich zu sein, hab ich in meiner Außendienstzeit, falsch ... seitdem ich das Leben bewusst wahrnahm, so viel gemacht und erlebt, dass das locker für zwei, wenn nicht gar für drei Leben reicht. Trotz vieler Widrigkeiten ... viele guten Wünsche an das Amt für Tattas ..., möchte ich nicht eine Minute und nicht ein Erlebnis, auch nicht die negativen, missen. Ich bin niemand, dem eine schlechte Erfahrung ein negatives oder auch trauriges Ereignis dauerhaft prägt. Ich nehm die Kraft die auch Schlechtes immer in sich trägt auf und kumuliere sie zur positiven Energie, aus der sich immer etwas gutes entwickeln lässt. Das ist gelebter Optimismus in Reinkultur! Unverdorben, unverwässert und ungeschnitten ...

Bitte? Der aufmerksame Leser dieser Seiten moniert nun, dass mich doch der Tot von Willi aus dem Leben gekickt hat. Stümmt, dat gibt getz´n Fleißkärtchen, wonnich. Aber ... das heißt ja nicht, dass mir der Tot von Willi keine Kraft gegeben hat. Ich hatte kurzfristig die Richtung und den Antrieb verloren. Aber was ist daraus entstanden? Genau aus heutiger Sicht, ein anderes, besseres Leben. Ich gehe sogar noch weiter und sage, dass ich nie nie und niemals nich mein Dorf verlassen hätte, wenn Willi "es nicht verlassen hätte". Dann hätte es sicher viele andere tolle Sachen in meinem Leben gegeben, aber dass ich dann meine heutige Frau kennen gelernt hätte, ist na sagen wir mal vorsichtig ... nebulöses Gedankengut. Sicher ist aber, dass ich meiner zweiten Leidenschaft, dem schreiben, nie die Energie und Zeit gewidmet hätte, wie ich das jetzt tue. Wir hätten die wps schon wieder auf ein stabiles Fundament gestellt und die logische Konsequenz daraus wäre die gewesen, dass wir auch ne Menge hätten dafür tun müssen, dass das so geblieben wäre.

Diese eremitische Lebensweise, oder das Einsiedlerleben, war dann eine wichtige, notwendige und für mich durchaus positive und richtige Erfahrung. Ich kam zur Ruhe und konnte mir die Fragen wie, "War´s das getz? War dat nu alles? Wat soll denn noch kommen? Du bis weit über 40 und die Schwelle zur Risikobereitschaft nimmt Jahr für Jahr ab, also wat nu du alten Säger?", in Ruhe ohne Hektik und Stress nicht nur stellen, sondern sie auch mental ausgeruht, bedächtig und meiner Art entsprechend, ausführlich beantworten. Konnte sie anfüllen mit weiteren Fragen, ohne in Panik zu kommen, dass mir die Zeit weg läuft und das ich mich in einem Lebenszyklus befinde, in dem eine Veränderung bedeuten würde, dass die, die auf mich bauen und die, die mir vertrauen und sich auf mich verlassen, unter diesen Veränderungen leiden würden.

Mir wurde klar, warum mich einige Freunde aus meinem Dorf damals verbal angegriffen und mich als potentiellen Leistungsverweigerer, nettes Synonym für fauler Hund, wonnich und gesellschaftlichen Grenzfall betitelt hatten. Ich hatte das mit meiner überaus provokanten Art und, mit dem damit verbundenen hochmütig, überheblichen Lächeln in Verbindung gebracht. Genau das wollte ich zu der Zeit. Ich wollte provozieren. Ich war so´n krabetzigen Bombenleger wonnich. Ich wollte den verbalen Eklat. Im gesprochenen Wort fühlte ich mich unangreifbar, fühlte die Stärke, die ich in meiner Persönlichkeit derzeit vermisste. Ich machte mir einen morbiden Spass daraus, provozierende, definitiv haltlose Phrasen durch die Kneipe zu dreschen und dann vehement unbelehrbar daran festzuhalten. War ich der Ansicht, das ne in Sauerländer Erde falsch rum eingepflanzte Blumenzwiebel in China als Tulpe wieder rauskommt, dann konnte mich niemand davon überzeugen, dass ich mich auf Grund dieser blödsinnigen Aussage zum Dorfdeppen machte. Ich wollte nicht überzeugt werden.

Meine Unbelehrbarkeit und herausfordernde Argumentation führte oft dazu, dass man begann mich selbst zu kritisieren. Und dann ging die abba richtich los. Selbst die, die sons nie die Schnüss aufkrichten und ihr lekker Pilskes nur mit´nem Nicken in Richtung leeres Glas bestellten, schwangen sich zu Reden auf, die selbst die von Herbert Wehner (1969-1983 Bundestagsabgeordneter, SPD Fraktionsvorsitzender mit genialer Dialektik und den meisten Ordnungsstrafen wegen unparlamentarischen Verhaltens) in den Schatten stellten.

Kaum einer wusste genau wie ich lebte und vor Allem nicht wovon ich lebte. Alles basierte auf den Gerüchten der Dorfratschen und die waren inzwischen so abstrus und verworren, als hätte ich dat Teppich knüppen angefangen. Aber es war eben dieses "Nichtwissen", dieses hypothetische, das spekulative, das die Gründe für allerlei Irrwitz bezogen auf meine Person lieferte.

Der Dörfler hat es eben gern gradlinig. Der weiß eben gern wat im Nachbarkotten so vor sich geht. Und glauben Sie mir, es ist keine Hallunone ("Halluzination", können wa nich so gut, da stört uns dat schwierige "z" wonnich), wenn ich sage, in einem kleinen Dorf weiß jeder alles vom anderen. "Sach ma, wo is´n der Hennes?" "Ach der Wämser kommt chleich. Der is gerade am kacken dranne un schreit getz hinner sein Tresken her, weil´er ma widda kein Papier hat, um de letzten Krümmelkes aus sein Bauarbeiterdekkolette zu schleifen. Dat kütt davon, wenn´se de ganze Woche nur Haferflöckskes mit Nüsse essen tu´s. Dat verstoppt die Rosette un du has de Reste wie mit Pattex geklebt, inne Kimme rumhängen, wonnich." Für "Nicht Sauerländer", "Bauarbeiterdekkolette", oder "Kimme" is die Spalte zwischen de Pobäckskes und dat dat Dekolletee heißt, weiß ich auch.

Was lernen wir daraus? Der Nachbar weiß nicht nur, wann sein Nachbar auf´s Örtchen geht, nää, er weiß auch, dass sein Nachbar des Öfteren ohne Klopapier dort gefangen ist und welche Diät dat Tresken ihrem Hennes vorsetzt, damit sein Maischebottich (Plautze) ins neue Sonntachshemd passt, ohne dat de Knöppe wie Geschosse durch de chute Stube fliegen, wenn´er sich aufs, mit Häkeldeckchen dekorierte, Schäselong (Sofa) setzt.

Jepp, es gab Abende inne Dorfkneipe, gegen die die Karnevalssitzungen im Ort zum langweiligen Spektakel verblassten. Der verbale Trommelwirbel, hätte den Dirigenten vonne Knüppelmusikk in ein ekstatisches Fiasko getrieben. Doch was steckte wirklich hinter diesen inbrünstig, fast leidenschaftlich geführten Anfeindungen? T´schuldigung, dass is getz wirklich ohne Arroganz und Überheblichkeit, aber aus denen, die meine Art zu leben am deftigsten an den Pranger stellten, sprach nix anderes als purer, schierer, blanker Neid. Es war ... in anklagende Worte verpackter ... Neid, weil ich das machte, was sie nie würden machen können. Aussteigen aus der Tristesse und vollkommen neu anfangen.

Wie ich das begründe?

Viele befinden sich heute in so vielen Abhängigkeiten und Verantwortungen dass ihnen schon beim Gedanken ihr Leben umzukrempeln, der Angstschweiß durch de Kimme läuft, wie der Niagara Fall sich übba de Klippe in die Ontariosee ergießt. Auch wenn´s ne abgedroschene Phrase ist, so ist sie aktuell und trieft förmlich vor Wahrheit: "Der Mensch lebt heute um zu arbeiten und er arbeitet nicht mehr, um zu leben!"  Ich denk jeder kennt den Kern dieser Aussage. Es fehlt heute an der Zeit zum Leben.

Die Steigerung der Lebensqualität anzustreben, ist ein irrsinniges Ziel, wenn man sie dadurch erreichen will, dass man immer mehr und immer härter arbeitet.

Oft beginnt die Abhängigkeit heute doch schon beim studieren. Zur Finanzierung des Studiums wird das erste Darlehn aufgenommen. Fängt der Studierte dann an zu arbeiten, hat er schon zwischen 10 und 15.000 Euro Schulden am Hakken. BAföG gewährte der Staat früher als Vollzuschuss, also Rückzahlungsfrei. Sinn und Zweck war die Chancengleichheit im Bildungswesen für die einkommensschwachen Bevölkerungsschichten. Aus dieser Verantwortung hat er sich, wie aus vielen anderen Verantwortungen auch, leise zurückgezogen. Heute wird diese Förderung nur noch als Darlehn gewährt.

Was dann folgt ist das traditionelle. Hochzeit, auch hierfür wird heute ne Kohle raus gedroschen, für die man noch in den 70gern ein komplettes Schützkenfest organisierte und vorfinanzierte. Dann kommt das Haus, in der Sorglosversion, also Grundstück und Schlüsselfeddich, auch nicht mehr unter 350.000 zu haben und bei dem Lohnniveau im schönen Deutsch"e"land sind die Zeiten, in denen das ein Alleinverdiener stemmen konnte, auch vorbei. Trotz Hausfinanzierung, dem Willen den Kindern eine unbeschwerte und sorgenfreie Jugend zu finanzieren, den Krediten für die Küche, das Wohnzimmer und die siebenundzwanzig Elektrogeräte im Haushalt, den Leasingverträgen für die zwei Autos, die Kontrakte für Smartphones, Internet, Telefon und Fernsehen, der Nachfinanzzierung für Gartengestaltung, Carport und Wintergarten und nicht zu vergessen, die immer noch laufenden Raten für zwei Studienkredite (Ihrer und seiner) aus den 90gern, ist der regelmäßige Sommerurlaub, auch auf Kabitscho (Kredit), ein Muss. Ergo haben Familien deren Vorstand (Eltern) sich im sonnigen Alter von Mitte 40 bewegen, Kredite zu bedienen, die es ihnen unmöglich machen, ein Leben zu führen, in dem es möglich ist, alles radikal zu ändern.

Wenn das dann jemand aus ihrer Mitte kann und dann auch noch macht, kommt der oben aufgeführte Neidfaktor. Es nicht tun zu können, heißt ja nicht, nicht darüber nachzudenken es tun zu wollen. Sind wir doch mal ehrlich zueinander, mit Mitte vierzig kommen die Fragen: "War´s das getz? War dat nu alles? Wat soll denn noch kommen? Du bis weit über 40 und die Schwelle zur Risikobereitschaft nimmt Jahr für Jahr ab, also wat nu du alten Säger?" Die Antworten darauf sind dann doch meist mit Träumen unterlegt wie, mit ner fetten alten Harley un ner jungen knackigen Blonden quer durch de Staaten knattern, anstatt, auf ner rostigen 50 ccm Kreidler von sexunsiebzich, die eigene Olle auf´m Sozius un de Omma im Beiwagen mit 25 km/h durch Faulebutter zu ballern (Faulebutter ist ein Weiler mit 10 Einwohnern in der Nähe von Finnentrop).

Oder nen Weinberg in der Provence betüdeln, anstatt im Keller de Veltinsflaschen zum Eigenverbrauch, akribisch vom Paderborner Pilsener zu trennen dat ausschließlich für die unliebsamen Chäste, wie de Schwiegermutta oder den Rest der buckeligen und versoffenen Verwandtschaft seiner Frau bestimmt  ist.

 

Es geht doch darum, die Fragen so zu beantworten, dass man die Antworten auch umsetzen kann und das gelingt, auf Grund der unzähligen Abhängigkeiten, doch den wenigsten. Ich aber konnte sie umsetzten, weil ich eben keine dieser Verantwortungen und finanziellen Verpflichtungen hatte, wenn wir das "Amt für de Tattas" ma außen vor lassen. Abba  mit denen hatte ich mich ja geeinigt.

Bevor, durch meine Intervention, die Situation vollends eskalierte, verlies ich eben nicht nur die Kneipe, sondern gleich "mein Dorf".

 

Wie bisse dann nach Öeventröpen du... pisseligen Rappelkopp?

 

"Einsamkeit nährt irgendwann den Wunsch zur Zweisamkeit." Das sich in meiner näheren Umgebung, also in dem Dorf hinner dem Haarstrang, ne ledige Tochter von nem Großbauern für´n alternden LKW Fahrer interessiert, war wohl eher ne Geschichte für Rosamunde Pilcher, als real möglich. Und da leere Pilsgläskes zum Wirt schieben für mich schon so was wie Hochleistungssport bedeutet, konnte ich beim "Tanz up de Deel" auch nicht gerade mit geschmeidiger Beweglichkeit punkten, die es mir erlaubte, besagte halluzinäre Großbauerntochter zu beeindrucken.

 

In meinen neuen Dorf fehlte wirklich vieles, es gab keine Kneipe, wohl ne Tante Emma, abba die hatte keinen Laden, Tanz up de Deel oder der monatliche Dorfschwof fand im nicht mehr genutzten 16qm² Kinderzimmer vom Ortsvorsteher statt und bevor du dahin kamst, wo das Verhältnis von Nutzvieh zu Mensch wieder zu Gunsten des Menschen ausfiel, musstes´ste schon wat an Sprit inne Karre haben, wonnich. Aber eins hatte das Dorf, Internetz! Gut, schnell is getz ma wat anderes wonnich. Man bekam schon den Eindruck, das Bauer Jupp einma inne Woche, die Bits und Bytes mit nem ollen 6 PS Trecker von Dortmund holte. Aber es war da und es funktionierte

Mein Omma würd getz aufschreien und sofort so argumentieren: "Ohhauehaueha aussem Katalooch hatt´erse sich bestellt, wie de Trine von gegenübba, de Waschmaschine von Quelle..."

Jepp, aus einer großzügigen Sichtweise is da durchaus was wahres dran. Habe ich schon erwähnt dat, wenn ich mich in einigen Lebensphasen mit "Hänsken im Glück" in den direkten Vergleich setzte, dat Hänsken im Glück der unchlückliche Bruder vonnet Pechmariellchen sein musste? Nää, dann hab ich das getz ma gemacht, wonnich.

Ein trüber, verregneter Sonntagmorgen im November 2008. Seit einigen Wochen war ich in oder auf einer der vielen Singlebörsen im Netz unterwegs. Die, für die ich mich letztendlich entschieden habe, war eine kostenlose Seite. Die anfängliche Begeisterung war längst der ernüchternden Erkenntnis gewichen, dass ich kaum in das Suchraster der holden Weiblichkeit passte. Diese Kleinmädchenphantasie vom Prinz in schimmernder, güldener Rüstung, der auf dem weißen Schimmel aus nem dichten Eichenwald galoppiert dat Mädken vor de bösen Räubers rettet, um sie dann mit in sein Schloss zu nehmen, sie zu ehelichen und mit ihr im vollendeten Glück durchs Leben geht, hält sich wohl auch bei erwachsenen Frauen vom Mitte vierzig, hartnäckig. Sie verpacken dat nur anders, wonnich.

Jepp Omma, has ja Recht, Katalogcharakter hat so eine Singlebörse. Mit dem Unterschied das bei Quelle oder Otto, versierte und hoch dotierte Texter die Waschmaschine bewerben. Auf so einer Seite für einsame Herzekes bewirbt sich die Waschmaschine selber ... und dat dat inne Buxe geht, war auf jedem zweiten Profil offensichtlich. Das Wort "Waschmaschine" als Synonym für de wertvollere Gattung des Menschen, die Frau zu nehmen, ist meinen wirren Gedanken geschuldet und is getz keine Absicht wonnich.

Ich könnt jetzt noch einige hunderttausend Wörter über meine drei Monatserfahrung schreiben oder auch einen weiteren Bericht ankündigen, der hier in Kürze mit dem üblichen ... genau Witz und Würze erscheint, aber das hätte irgendwie einen blasphemischen Charakter. Hab ich doch genau dort meine heutige Frau kennen gelernt. Ich war ihr Prinz und sie ist bis heute meine Prinzessin.

Meine Rüstung war auch nicht chülden schimmernd, sondern sah aus, wie angerostetes aus Auspuffpötten zusammen gedengeltes Blech, meine 25 Jahre alte braune Lederjacke, der Schimmel war´n oller strubbeliger, grauer Esel, mit Knickohr, mein "Onkel-Audi 80 von 1978 und mein Schloss ... na ja ... dat Haus in dem ich residierte hatte schon hochherrschaftlichen Charakter, aber wer zu mir wollte, nahm den Dienstboteneingang. Einmal rund ums Palais zu den Gesindekammern.

Aber alles in allem is dat eben so´ne Interpretationsgeschichte, wonnich. Wer kennt ihn nicht den Werbespruch von Duplo: "Für die einen ist es nur´n Schokoriegel, doch für andere .... die längste Praline der Welt..."

Man kann uns Sauerländern, auch den zugezogenen Buiterlings, ja vieles vorwerfen, aber den Hang und Drang zur übertriebenen Selbstdarstellung, der geht uns vollkommen ab. Ich präsentierte mich auf der Singlebörse zwar nicht mit den Klischee behafteten Eigenschaften, wie dick durstich und duselich, aber das ich mich zu ner Sauerländer Kopie von George Clooney hoch stilisierte, um zumindest im Ansatz mit all den Heidi Klums mithalten zu können, war mir dann doch ein wenig zu dick aufgetragen. Ergo versuchte ich mich als das zu präsentieren, was ich zu der Zeit war. Mitte 40, mit spassigem Geist und ernsten Absichten.

Die Prinzessin wurde von ihren Kindern animiert sich dort anzumelden, ich von meiner Enttäuschung angehalten, mein Profil zu löschen. Aus der "lieb gewonnen Routine" zu schauen, wer sich neu auf dem Marktplatz der Eitelkeiten eingefunden hatte, klickte ich mich ein letztes Mal durch die Profile. Keine Ahnung warum aber ... mir fiel ein Profil auf, dass kein Profilbild sondern diesen typischen Scherenschnitt als Ersatz aufwies. Im Normalfall ein klares Zeichen dafür, dass sich die "Waschmaschine" als Testsieger von Miele präsentierte und selbst bewarb, aber in Wirklichkeit ein aus Altmetall zusammen getackerter Billigimport aus dem Hindukusch war. Nochma: Das Synonym "Waschmaschine" hat zwar ne offensichtliche metaphorische Anlehnung, hat abba nix mit der Frau an sich zu tun, sondern ist zugegeben, ein schlecht gewähltes Synonym.

Meine "Waschmaschine" ...ähh meine Prinzessin präsentierte sich schüchtern, schlicht und es war wohl gerade diese Darstellung die sie interessant machte. Schon nach kurzer Zeit telefonierten wir jeden Abend, trafen und weitere wenige Wochen später zuerst an der Möhne, dann auf dem Weihnachtsmarkt in Soest und an Nikolaus besuchte sie mich in meiner Gesindekammer und im April des folgenden Jahres verlies ich den kleinen Kotten in der Soester Börde und zog zu ihr und den Kindern nach Öeventröpen. Ich zog zurück ins pralle, wirkliche Leben ...

 

 

 

 

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