Unser Kotten :

Pilsken Verlag
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An der Realisation dieses Buches sind folgende Partner beteiligt:

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www.bonnfinanz.de Manfred Nickchen

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ohne sie wäre es zwar auch möglich gewesen aber eben auch nur halb so schön ...

 

Danke auch an VELTINS für die Genehmigung dem Besten Sauerländer Pilskes den Namen zu geben, den es verdient, VELTINS.

 

 

 

Alles echte Sauerländer Handarbeit, wonnich ...

Grund dafür, das ich überhaupt mit dem Schreiben begann, war der Tot meines Freundes, Nachbarn und Kompagnon, Willi. Er starb plötzlich und unerwartet und meine Reaktion war, Ballast abzuwerfen, mich von Altlasten befreien. In der Computersprache heißt das wohl ein Format C machen. Jepp, ich formatierte mich und mein Leben unter Beibehaltung wichtiger Grundstrukturen.

Willi war tot und mein Leben war es irgendwie auch.  Bis auf wenige Kleinigkeiten begann ich mein Format C, mit ... nix oder ganz wenig. Die Handelsagentur gab ich auf, zog aus dem angemieteten Haus in eine kleinere Wohnung, trennte mich von meiner damaligen Lebensgefährtin und verbrachte die ersten Tage meines neuen Lebens, im metaphorischen Sinne damit, Strohhalm kauend auf ner grünen Sommerwiese rum zu liegen.

 

Dat Leben auf´n Dorf ...

                                                                                             

Ich mochte meine neue Freiheit, genoss die Zeit als Schlendrian durch de Welt zu hüppen. Der frühe Tot von Willi beherrschte zwar immer noch meine Gedanken, aber nachdem ich mich von dem Laden, vom Job und meine Lebensabschittsgefährtin, sich zu Recht von mir getrennt hatte, tendierten meine Verantwortungen gen Null. Der Kopp war frei für ne Menge Denken und das tat ich selten zu Hause, sondern gern bei ausgedehnten Spaziergängen.

Einige Wochen war Ruhe im Dorf. Dann abba setzte dat erste Gerede ein. Aus dem stummen Denken der Dorfpomeranzen, genährt vom aufmerksamen Kukkulukku (Niggeln, schauen) machen, entwickelten sich laut ausgesprochene Fragen, die natürlich nur den Zweck hatten, ne öffentliche Dorfdiskussion los zu treten. Da wird dat gesprächige Marianken beim Eierholen auf´m Hoff von Eier Ewald getroffen und ers ma nachefracht, wonnich. Man muss doch wissen, wat los is in dem Dorf wo man seinen Kotten hat. Es wird Nichtsagendes, oder das was sowieso schon rund ist im Dorf und alle wissen, als Futter für´s Gekujere inne Welt geschmissen und dann ma abwarten wat da so kütt, wonnich.

 

Dorfratsche 1: "Sach ma wat macht´n der Lappes getz, nachdem der Willi, de selige Jupp sei seiner armen Seele gnädich, so plötzlich tot gegangen is? Dat Haus hatt´er ja nu geräumt un is inne großzügige Dachwohnung mit allem Schisselameng gezogen, wonnich. Sein Tresken is auch wech. Gut, geheiratet hatt´er die nich. Der war ja noch nie inne echte Ehe drinne, der Lorbass der. Immer nur diese Krösken (Techtelmechtel, Liaison) mit de Weibers, wonnich. Is ja auch kein Wunder dat die getz auch widda wech is, woll. Guck dir den doch ma an. Mein Hefeteich geht langsamer und auch weniger auf, als dem seine Plautze, wonnich. Wovon lebt´n der getz? Vonne Stütze? Nää ... odda? Da läuft´er halbe Tage mit dem Hund von seine Nachbarin anne und umme Sperre drum rum, sitzt oft Stunden bei der auffem Balkon drauf un am späten Nachmiddach zockelt er wie de Rattenfänger von Hameln durch dat Dorf un klaubt de Kumpels zusammen, um inne Kneipe rein zu gehen, wonnich. Dat kost doch alles ne Menge Tattas. Abba wullacken (malochen) tut der ma nich .... Ich hab den ja immer gemocht, wonnich, abba wat der getz macht ... nää. Sach ma, wat macht´n der getz?"

 

Damit ist alles gesagt ... nämmich nix! Doch selbst das "nix" reicht auf´m Dorf, um de unangenehmen Klabusterbären (Hämorrhoiden) der Gerüchte zum platzen zu bringen.

 

Dorfratsche 2: "Also hörse, ich will ja getz nix falsches sagen, wonnich. Nich Gerüchte inne Welt pusten, die nich stimmen tun, woll. Abba ich hab von de Ursula gehört ... die is ja chanz enge mit de Kusine vonne dritten Graduierung vonner Nachbarin von sein Kabuff, wonnich. Un die, die is ja im Häkelkurs, wo auch dat Trullala drinne is. Kennse doch dat Trullala, woll! Dat is doch die vom Häns, vom Chatten Häns, der mit der Blumenbude odda Baumschule? Is auch egal, wonnich. Auf jeden Fall .... also hömma getz, hat die Ursula mich dat gestern beim Doktor sozusagen hautnah erzählt, dat der sich pudelnackich auf sein Balkon sonnen tut, wonnich... Der haut dieses Durcheinander von sein Körper einfach ma so nackich auf sein Balkon drauf. Getz sach ma selbs? Wat sach´se denn getz dazu odda ...?! Un die Ursula sacht, dat die Trullala auch noch gesacht hat, dat der dat Geld von sein Papa haben tut. Dem sein Papa war ja Zahnarzt, der is ja nun auch schon mehr als zwanzich Jahr unner de Erde, un vom dem hatt´er dat, woll. Die verdienen ja richtich viel, nur für´s inne Zähne rumporkeln, wonnich. Sein Mutta soll ihm dat Erbe ausgezahlt haben. Die selber is ja ne ganz chenügsame und braucht nich mehr so viel im Alter, woll. Kennse doch, wir sin doch auch mit nem Schmalzbutter am Abend satt un müssen nich in dise noblessen Fresstempel wo´se den Hummer, für hunnert Euros, noch in seine roten Rüstung servieren. Hunnert Euro, die brauchen mein Erwin un ich im chanzen Monat nich fürs friäten (Essen), wonnich. Dann soll er ja auch noch dat Tattaamt (Finanzamt) beschissen haben. Der muss getz nich mehr arbeiten ... nää, dat muss der getz nich mehr ... Abba dat hab ich nur gehört, wonnich."

 

Dorfratsche 1: "Wo hasse dat denn alles wech? Auch vonne Trullala?"

 

Dorfratsche 2: "Nää ..., dat hat mir dise Babuschka ... hier ... die, die sich Prütt Paule, also der, der den ollen schräbbeligen Kaffeebumms in Freibad haben tut, vertelllt. Die hatt´er sich doch im Katalooch bestellt, die Babuschka, die hat mich dat erzählt, wonnich. Ers hat sich Prütt Paule dat arme Mädken aus´m Katalooch bestellt, wie dat Cordula de Waschmaschine von Miele un dann hatt´er se zum putzen auf´n Nobelhügel geschickt, weil ja sein schräbbeligen Kaffeebumms nich mehr läuft. Also de Babuschka getz, nich die Waschmaschine, wonnich. Dat is auch so´n faulen Peias der Prütt Paule, wonnich. Also, die Babuschka, die heißt Tanja glaub ich, hat ja auch dem Timmendorf sein Stall sauber gehalten, un das mit dem Geld dat de Babuschka dann wohl anne Franziska weiter geleitet. Kennse die? Dat is doch die vom Trommel Tünn, der vonne Mussik. Die kann schwählen sach ich dich ... Abba ob´s stimmen tut? Du weiß ja wat die Leute immer so erzählen. Darfse ja nix drum cheben, wonnich ... is ja immer viel Krückerei dabei, woll. Die wollen sich, wennse dat rumkujern, doch nur selbs wichtich machen ..."

 

Diese Unterhaltung könnte die Überschrift tragen. "Zwei Dorfratschen treffen sich. Sacht die eine: "Du hömma ..."

 

So eine Unterhaltung und das involvieren mehrerer anderer Personen, die wieder über Dritte, Vierte und Fünfte was gehört und dann gesagt haben, dient nur dazu sich selbst aus der Schusslinie zu nehmen. Niemand will die Verantwortung für das tragen, was er selbst erzählt, respektive selbst dazu gedichtet hat. Also hat er was gehört, dass wiederum ein anderer von einem ganz anderen gehört hat. Der hat ihm das dann erzählt, was eben andere erzählen. Typisch für ein Dorf. Im Dorf ist das "Gerüchteschieben", nix anderes als die diversen allabendlichen Boulevardmagazine im Fernsehen. Die Dorfratschen sind die regionalen Klatschreporter oder die Klatschreporter sind die internationalen Dorfratschen.

Es ist aber auch ein gelebter und durchaus auch wichtiger Teil einer funktionierenden Dorfgemeinschaft, selbst wenn er zu Lasten des Betroffenen geht. So funktioniert Dorf eben. Jeder kennt jeden und jeder steht immer unter Beobachtung. Die Stasi war´n Schiss gegen die Dorfratschen. Wenn sie den, über den sie eine Minute vorher noch hergezogen haben, wie die Presse über den Kachelmann, treffen, setzen sie ein freundliches Grinsen auf, schalten mit Unschuldmiene auf freundliche oder mitfühlende Konversation und schwarten dann Gerüchte über die, mir der sie gerade noch über den hergezogen hat, mit dem sie nun redet. Oft sind es die Dorfratschen, die über sein oder nicht sein im Dorf entscheiden.

Denjenigen über den rücksichtslos hergezogen wird aber selber fragen, was denn los ist, dat tun se nich, denn die Wahrheit ist eben oft profan, schlicht und langweilig. Dann doch lieber Gerüchte. Die ham Würze, die sin knackich ... Eben de Fettaugen un de Markklösskes inner kräftigen Rinderbrühe. Verglichen damit, ist die Wahrheit eben eine fade Wassersuppe mit drögem Roggenbrot. Gerüchte entstehen oft aus einem Wort und sind beim dritten "weiter kujern", schon ne ganze Geschichte, voller, teils perfider, frivoler und ordinärer Unwahrheiten, weil sich der Erzähler selbst profilieren möchte. Dorfgerüchte entstehen aus Anomalien, dem abnormen des Normalen. Normal ist sich anzupassen und so zu leben, wie der Dörfler eben lebt, oder nach Auffassung der Dorfratschen zu leben hat, unauffällig und vor Allem angepasst.

Morgens um Siebene auffe Arbeit, abends um Fünfe widda da. Am Wochenende mit de Frau den Chatten machen, dat Auto waschen und am Samstagabend inne Nachbarschaft, auf´n Geburtstach odda auffe Halle drauf zum Schwof. Sonntach dann morgens um Zehne inne Uchte (Kirche) mit de adretten Kinners und am Nachmiddach zum Fussballgucken auffen Bolzplatz vonne Alten Herren oder vonne eigenen Blagen. Zweima inne Kneipe pro Woche is noch im Rahmen, beim dritten bisse ein verkappter Schluckspecht. 2 Wochen Urlaub werden gestattet. Dann verläuft das Leben so, wie es die die Dorfratschen wollen das es verläuft.

Aber wehe, du hast innerhalb von 3 Monaten de Uromma mit nem Riesenspektakel unner de Erde gebracht und dann ne neue Veranda mit Grillplatz an dein noch nicht abgezahltes Haus, bauen lassen, neuen Rasen eingesät, Blumenbeete angelegt, Brennholz für den Winter eingelagert, einen neuen Firmenwagen bekommen und flichst dann, für zwei Wochen auffe Malediven drauf oder wie hier gesagt werden würde, "inne Malediven rein". Heißt hier ja auch "in Malorka" und nicht "auf Mallorca". Nun fängt die Gerüchteküche umgehend an zu brodeln. Weil das ist die Anomalie. Dat geht nich. Dat is einma zuviel Spektakel in nur 3 Monaten und kost auch zweima mehr an Geld.

"Son´s isser immer son kniepigen Kriselkopp, der den anderen de Pilsreste ausse Gläskes leckt und getz? Kauft de Intarsien (Inhalte) aussem Baumarkt raus, dat mein Erwin noch nich ma mehr de neue Latten für unsern Chattenzaun gekricht hat, woll. Dann lässt´er den halben Sauerländer Wald für sein Bollerofen abholzen, dat die Ecke aussieht, wie nach´m Kyrill, wonnich. Un dann kauft sich son neumodischen Essjuhwie, du weiß doch, dat sin die, die aussehen wie der Tannentrecker vom Förster Friedel, nur inner noblessen Ausführung un als wär dat nich genuch, auch noch mit de ganzen Bagage da Urlaub machen, wo unser Prinzessin Caroline immer mit ihrm Mann hingefahren is, wonnich. Nää, odda? Getz sach doch ma selbs. Sach ma, seit wann hat der dat denn so dicke? Is dat denn nich urkomisch,  dat sein Uromma sich plötzlich de Radieskes von unten begucken muss? Nu sach doch ma selbs Elfriede, is dat nich komisch? Die war doch noch ne ganz rüstige, woll. Mit der hab ich doch ers an Pfingsten beim "Tanz op de Deel", für´s Urommageschwader, Tscha-Tscha-Tscha getanzt. Un nu soll die auffe natürliche Weise tot gegangen sein, Nää ... wonnich? Kerokiste, sach doch auch ma wat Elfriede! Dat glaubse doch auch nich ... wonnich?"

Elfriede will getz auch ma wat sagen, kann abba nix sagen, weil ja ihr Freundin, dat Ingeborch ja auch gar nich wirklich will dat´se wat dazu sacht. Weil dat Ingeborch ja selbs noch genuch zum erzählen hat und´se sich beeilen muss, weil se ja schon de Kartöffelkes auffem Ofen hat und ihr Erwin immer pünktlich sein Mittach braucht, sons wird´er nämmich widda ösich, ihr Erwin, wonnich. Also holt dat Ingeborch nur schnell Luft, um dann noch fixer weiter zu reden.

"Also, dat sacht die Resi, der uselige Trampel vom Leisten Leo, auch. Den kennse doch, dat is doch der mit dem Schusterladen inne Dicken Hecke. Also die Resi hat mich das gesacht und die hat auch gesacht, dat die noch viel mehr wissen tut vonne ganzen Intimitäten, die der mit sein Uromma hatte, wonnich. Der soll ihr ja schon zu den noch lebendigen Zeiten dat Sparkonto besenrein gemacht haben, woll. Kann´ste dich dat vorstellen? Da lebt dat Uromma noch un der räumt ihr de Hinterbliebenenrente un de letzen Groschen ausse Sparbüxse raus, die alte Sau die ...! Alte Sau hat die Resi gesacht, nich ich getz, nää. Un dat war so ne Nette und großzügige, formidable Dame, die Uromma von dem, wonnich. Un getz ise tot ...? Also wenn der da ma nich seine unlegalen Griffelkes ummen Hals von sein Uromma gelecht hat, wonnich. Nää, nich dat de getz glaubs, dat dat getz meine Schlussfolgerung vonne Passiertheiten is, wonnich. Nä, dat hat mir die Ollsche (Frau) vom Dorfscherriff, Onkel Franz, beim Pröhleken (Schwätzchen) vertellt, wonnich. Der hat wohl auch gesacht, dat die Geschichte so trübe is, wie der schwatt gebrannte Hagebuttenschnaps von sein Bruder dem Onkel Karl, wonnich. Un der, also der Franz getz, muss dat ja wissen wonnich. Der is ja vonne behördlichen Unversehrtheit. Ich mein damit, dat der ja nun weiß was´er sacht, weil er ja fast der Chef vonne blauen Trachtentuppesse is, wonnich. Un wenn so´n Polizist lücht, dann is dat ja auch fast so´n Kriminaler oder Krimineller? Na egal, eben kein astreiner mehr wonnich. Weisse, ich denk nur laut drübber nach, un das is ja inne erlaubte Legalität mit drinne odda? Ich denk nämmich, ob dat nich irgenzwie inne Wahrheit vons Ganzen reinpassen tut, wonnich? Also stopp, nich datte glaubs ich getz wonnich. Nää ich nich. Ich ... ich sach dich das nur, wonnich. Dat kütt nich aus meine Denkerei, dat is ... wie sacht mein Erwin immer ... dat is Allgemeingut, wonnich. Als erstes gedenkt, dat der da Schindluder mit sein Uromma getrieben hat, hat dat die Hermeline, dat Krösken vom Protestantenpastor und die hat gesacht dat der ja immer schon böse, frech un vonne chanz fiesen gewaltätichen Gesinnung war, wenn´er einen im Schluffen hatte, woll. Dat is nämmich so einer vonne Kolikken Abteilung (Cholerisch), sacht meiner auch, wonnich. Vielleicht wollte der ma widda Penunsen von sein Uromma. Die hat nä gesacht un dann hatt´er se in so nem Kolikkenanfall ma eben so ausse Welt raus katzapultiert ... Nä ... die is bestimmt nich an´nem Schlach odda Herzgedönsstörungen tot gegangen. Nä ... die nich. Dat sacht dat halbe Dorf und de andere Hälfte sacht dat zwar nich abba tut´s denken, wonnich... So nu muss ich abba inne Küch, sons sind die Kartöffelkes gleich Pürreh woll. Weiße ja, der Erwin brauch imma chanz pünktlich sein Mittach, wonnich. Tüsskes Elfriede. Keh wat wars du stille kaduck (stumm) heute. Sach ma is wat mit dich? Nee is nix wonnich! Na denne, bis chleich, bei de Liselotte. Kommse doch hin zu de Liselotte, wonnich? Wir stricken doch heut de Mäntelkes für de Christbaumkugeln, für dat Tänneken vonne Krippe inne Uchte , wonnich ... un das hier, dat behälse ma für dich, wonnich, dat hab ich dir getz unner der zugehaltenen Hand erzählt. Nich dat de dat chleich durch´s ganze Dorpe tröten tus. Tu´se nich wonnich, bis ja mein beste Freundin. Also Tüsskes."

 

Und zack bisse der Urommamörder vom Mühlensee. Wenn richtig scheiße läuft, komm´ste nichts ahnend, vollkommen entspannt und noch voller herrlicher Urlaubsimpressionen ausse Malediven und wirs gleich am Fluchhafen verhaftet und ins dunkle Loch gesteckt.

Blühende Phantasie meinen Sie? Wenn´se sich da ma nich täuschen tun, wonnich. Er wurde zwar nicht verhaftet und auch nicht ins dunkle Loch gesteckt, aber er wurde am Flughafen von der Mordkommission erwartet und von seiner Aussage hing es ab, ob Uromma exhumiert werden würde oder ob de Radieskes ihr weiter inne tote Nase wachsen durften. Sie durften ...

Es ist eben dieser Dorftratsch aus dem meine Geschichten sind. Ich selbst habe mich jahrelang mit Wonne und Inbrunst daran beteiligt. Dass muss man einfach tun. Einmal um zu markieren, jepp ich gehör dazu, aber auch um das zu kompensieren, was über einen selbst erzählt wird.

Natürlich fließen auch eigene Erlebnisse in den Roman. Wer noch nie auf´m Dorf mit funktionierender Dorfgemeinschaft gelebt hat, kann kaum nachvollziehen wie das ist. Natürlich weiß jeder alles von jedem. Du has in so´m Dorf den Hosenschlitz noch nich widda zu, wennste ans Ortseingangsschild geschifft hast, da weiß schon der, der am Ortsausgangsschild dat Unkraut jähtet, wie deine Unterbux aussieht, wie dein Pillemann geformt ist, ob der Urinstrahl von klarer, satter, gesunder, gelber Farbe war und ob du auch anständig abgeschüttelt hast, bevor du dir dein Gemächt zurück inne Buxe gefurkelt hast. Is so, musse mit umgehen können, wennze auf´m Dorf wohns, wonnich. Daraus entstehen Geschichten. Lustige, wie traurige, mal mit wenig Erfindungsgabe und nah am realen, mal mit ner ganz ordentlichen Portion Phantasie.

 

Vollkommen abwegig ist der Gedanke, dass ich in "Sauerland, Schützkenfest, Pilskes und was Totes" irgendjemanden ins falsche Licht stellen wollte. Ich selbst, der dicke Timmendorf, is auch nich gerade der Primus inner Geschichte odda? Wenn einer der Aspiranten glaubt, sich wieder zu erkennen und is mit seiner Darstellung nicht einverstanden, dann ist das nämmich ne Darstellung, die er in seiner Phantasie erst auf,- und dann ausgebaut hat, wonnich. Einer meiner Charaktere verinnerlicht Wesenszüge, verschiedener Dörfler und selbst das wurde noch mit meiner Phantasie aufgepeppt. Wäre also spannend zu erfahren, wer nach dem lesen den Finger hebt, sich auf de Brust tippt und sacht: "Kerokiste, dat bin ja ich ..." Ich kann versichern "Nää ... das bisse nich wonnich...!"

Natürlich hab ich übertrieben und überzogen. Ich war hier die Dorfratsche. Keiner ist so wie ich ihn darstelle. Alle Aspiranten sind zu 95 % fiktiv. Hier soll niemand an den Pranger gestellt werden, hier soll locker unterhalten werden. Und wenn da doch einer is, der glaubt "er wär´s", dann war das, über das ich geschrieben hab kein Geheimnis, sondern längst an allen Esstischen des Dorfes öffentlich diskutiert worden und von den Litfasssäulen des Dorfes, den Dorfpomeranzen, nicht nur durch´s Dorf, sondern oft bis zum Pastor weiter getragen worden. Woher sonst, hatte er oft so detaillierte Informationen, wenn er sich über die Verfehlungen einzelner seiner Schäfchen voller Inbrunst während einer Predigt ausgelassen hat? Für die jüngeren Leser, Litfasssäulen waren zu unserer Jugendzeit unser Fazzebook und Pastor ist der Büttenredner in der Kirche, wonnich.

Mein Leben war 2002 aus Sicht der Dörfler eben zu einer Anomalie mutiert. Ich ging nicht mehr arbeiten, lief täglich einmal rund ums Wasser und war öfter als zweimal die Woche in der Kneipe. Ich saß bei meiner, in Scheidung lebenden, Nachbarin stundenlang auf dem Balkon und jepp, ich sonnte mich auch nackich auf meiner Dachterrasse. Was mich nur bis heute wundert ist, dass diese Dachterrasse von nirgendwo einsehbar war... 

 

Warum hast´es denn nu gemacht, das Buch ... du Muffkopp?

 

Mit der Anomalie das stimmt schon. Ich fühlte mich auch so. Falsch, ich fühlte im Frühjahr 2003 wenig. Ich war Ende dreißig und mein Leben war wieder einmal total aus der Welt gefallen. Heute weiß ich, dass der Tot von Willi so was wie´n Trauma in mir ausgelöst haben muss. Ich schäm mich nicht hier zu schreiben, dass ich diesen töften Kerl auf eine, auf meine Art, geliebt habe. Sein plötzlicher und unerwarteter Tot, führte dazu, dass auch mein Leben kurzfristig stillstand. Was kam war eine Zeit der Desillusion, Resignation und Orientierungslosigkeit in allen Lebensbereichen. Mein Leben hörte irgendwie auf und ich bekam nur noch recht wenig auf die Kette.

Ich lies buchstäblich alles fallen. Einiges hab ich ja oben schon erwähnt. Binnen wenigen Wochen nahm ich fast 10 kg ab. Es hat gedauert, bis ich die Großbaustelle Hesselmann eröffnete und wieder einmal damit begann, das Loch für ein neues, stabiles Fundament auszuheben. Ich hab in dieser Zeit sicher den ein oder anderen meiner Bekannten aber auch Freunde, aus metaphorischer Sicht mit Anlauf von vorne mit Wucht und Effet in den Hintern getreten. Ich kann nur hoffen, das die, die ich getroffen hab, mein grenzwertiges Verhalten damit kompensiert haben, dass sie sich anständig, mit Begeisterung und Enthusiasmus an den Gerüchten beteiligt haben, als ich das Dorf dann verlassen habe. Irgendwie müssen sie es getan haben, denn de Ohrmuscheln klingeln bis heute.

 

Es war und ist dann dieses Potpourri aus wahren Begebenheiten, aus Gerüchten, aus Dorfgeschichten, aus eigenen Erlebnissen, aus Ereignissen im Freundeskreis, aus den ganzen Dönekes die mir die "Alten" an der Theke erzählten, die mich irgendwann im Frühjahr 2003 morgens um drei, aus der warmen Molle an den PC getrieben haben. Ohne lange darüber nachzudenken, was ich überhaupt tat, begann ich das aufzuschreiben. Ich schrieb bis nachmittags um fünfe, legte mich ins Bett, schlief bis um drei und ging wieder an den Computer. Nach knapp einer Woche ging ich zum ersten Mal wieder vor die Tür. Ich brauchte, Kaffee, Zigaretten, was zu essen und ich brauchte dringend ne neue Computertastatur. Von der alten hatte ich bereits mehrere Buchstaben "weg geschrieben". Nach drei Wochen hatte ich über 250 Seiten fertig und weitere 7 kg abgenommen.

Ein Erlebnis wenn man nach Jahren der räumlichen Trennung, nur den Kopp senken muss, um seine Zehen und seine Knie zu sehen. Nää ... den Piephahn hab ich erst ein paar Monate später widda getroffen. Dat nur für die, die es genau wissen wollen.

Dass "Sauerland, Schützkenfest, Pilskes und was Totes" ein Buch werden würde, wusste ich zu der Zeit noch nicht. Ich schrieb einfach alles auf, was mir durch die Birne oder eben aus der Birne flog. Ich schrieb etwa 6 Monate und verlor dabei noch mal über 15 kg, obwohl ich in dieser Zeit sicher mehr als 35 kg Kaffeemehl verbraucht hatte. Ende Herbst 2003 hatte ich noch 95 kg und sah aus wie´n ehemals prall gefüllter Luftballon, der noch nach Tagen, lullerich im Baum rumhängt.

Is eben so, dehnen kann sich unsere Haut um das vierfache glaub ich, abba mit dem schrumpfen hat die dat noch nich so richtich drauf. Besonders dann nicht, wenn man über Jahre so ne gewaltige Trommel wie ich vor sich her geschoben hat.

                                                                                             

Warum hasse dann nicht weitergemacht, ... du Wämser ...?

 

Als die Rohfassung von "Sauerland, Schützkenfest, Pilskes und was Totes" fertig war, nebenbei die Rohfassung umfasste mehr als 650 Seiten, war ich zwar um 35 kg leichter aber auch mal wieder fast pleite. An das was noch da war, wollte ich nicht ran. Ich bin zwar nicht der, der an die finanzielle Absicherung im Alter denkt, aber dann inzwischen doch der, der gern mal nen 5 Euroschein an die Seite legt. Das Denken, mit dem damit verbundenen Handeln hat den Ursprung in meinen Lebenserfahrungen. Richtig pleite war ich ja nun schon oft, diesmal wollte ich es eben mal anders versuchen.

Das Manuskript war nu feddich. Ich hatte mir meinen Seelenfrust förmlich aus den Synapsen gequetscht und fühlte mich Anfang 2004 mental wieder fit. Der Ballast war weg. Sollte ich "Sauerland, Schützkenfest, Pilskes und was Totes" nun Verlagen anbieten? Einerseits fand ich, dass das eine logische Konsequenz aus meiner Arbeit war. Andererseits hatte ich ein wenig Muffensausen vor den fachmännischen Urteilen. Ich fühlte mich nicht als Autor, betitelte mich selbst als ungeschliffenen Schreiberling. Der Roman war aus einer spontanen Idee heraus entstanden. Ich hatte ihn geschrieben um ... ja um mich selbst zurück ins Leben zu bringen. Also schrieb ich über die profanen Dinge des Lebens. Vielleicht mit der Einstellung und dem dazugehörenden Lied von "Pippilotta Viktualia Rollgardina Schokominza Efraimstocher Langstrumpf" zu vergleichen. "... 2x3 macht vier Widdewiddewitt und 3 macht neune. Ich mach mir die Welt ... widdewidde, wie sie mir gefällt ..."  Ich schrieb mir meine Welt so, wie sie mir gefällt und mir gefiel sie so. Aber gefiel sie auch anderen?

Als erstes musste meine große Schwester Korrektur lesen. Sie ist Studienrätin in Aachen und war damit prädestiniert für den Job. Klar, sollte sie auch ein Urteil abgeben. Sie las Korrektur, aber eine Gesamteinschätzung war ihr nicht zu entlocken. Die doch recht enge Familienbande würden eben kein wertneutrales Urteil zu lassen. So gab sie den Ausdruck einer Freundin, ohne diese darauf hinzuweisen, dass ihr Bruder das alles geschrieben hatte. Die war wiederum begeistert. Sie attestierte mir Witz, die Einhaltung des Spannungsbogens und des roten Fadens und zog ihren Doktorhut davor, dass es mir gelungen war, 650 Seiten so zu füllen, dass das Lesen jeder einzelnen Spass gemacht hatte (Zitat aus ihrer Bewertung).

Ich war stolz wie Hahn der zum ersten mal ne Henne besprungen hatte und nu sein erstes eigenes Ei im Nest beguckt. Aber ich war nicht überzeugt. Ich gab es meiner Nachbarin zu lesen. Sie hat ne Rolle im Buch und ich gab es Rainer Kiesel zu lesen, der im richtigen Leben anders heißt. Weder ist Rainer so versoffen und verfressen wie ich ihn im Buch oft darstelle, noch ist meine damalige Nachbarin, dass schlagwütige Luder, dass sie im Roman spielt. Dem Ergebnis sah ich mit Magengrummeln entgegen. Aber grundlos, beide waren einhellig der Meinung, dass das Manuskript Potential hatte. Die von mir extrem übertriebene Darstellung der beiden fassten sie nicht so auf, als hätte ich ihnen stundenlang kräftig ans Bein gepisst. Nein sie nahmen alles und damit auch die Darstellung von sich selbst mit dem Humor, den ich mit "Sauerland, Schützkenfest, Pilskes und was Totes" vermitteln will. Spass ... leichte Trivialliteratur, die man im eigenen Chatten oder am Hotelpool "in Malorka" lesen kann.

Reichte mir aber immer noch nicht. Erst als 20 weitere, willkürlich ausgewählte Testleser aus allen Gesellschaftsschichten, unter anderem eine Krankenschwester, eine Floristin, ein Doktor, eine Rentnerin, ein Berufskraftfahrer, ein Pastor mit evangelischer Gesinnung, eine Chefsekretärin, ein Polizist und ein Schreiner, "Sauerland, Schützkenfest, Pilskes und was Totes" eine durchschnittliche Gesamtnote von 2 gaben, war ich zufrieden.

Nun hatte ich das Selbstbewusstsein mein Manuskript an Verlage zu schicken. Überheblichkeit mit Tendenz zur Arroganz ist die negative Form oder die ungesunde Steigerung vom gesunden Selbstbewusstsein, wonnich.

In meinem Fall bedeutete das, dass nur namhafte Verlage dafür in Frage kamen, meinen "Sauerland Bestseller" zu publizieren. Immerhin hatte ich 650 Seiten geschrieben und mehr als 15 Druckerpatronen gebraucht um alle Ausdrucke zu machen. Dazu 35 kg abgenommen, Unmengen von Kaffee in mich reingeschüttet und ganze Tabakfelder geraucht.

Ohne das Manuskript professionell redigieren zu lassen oder es in ein harmonisches Format zu bringen, schickte ich es an bekannte Taschenbuch Verlage. Aus heutiger Sicht äußerst dilettantisch. Nichts beeinflusst eine Entscheidung mehr, als der erste Eindruck und wenn der schon was für de Tonne is, dann is dat was du so stümperhaft anbietest auch nur wat für de Tonne oder? Anfängerfehler, wäre ein zu simples Eingeständnis meiner eigenen Dumm und Duselichkeit bezogen auf die erste Präsentation meines Manuskriptes. Ich war jahrelang im Vertrieb, hatte sogar Verkaufsfrischlingen das Laufen beigebracht und schoss dann so einen Bock!?! Aber der Fehler war eben gemacht. Doch auch die, an die ich das Manuskript schickte, haben sich nicht gerade durch fachlich versiertes Handeln hervorgetan.

Andere als große Verlagshäuser kamen für mich anfangs nicht in Frage. Ich hatte aus meiner Sicht den absoluten Knaller geschrieben, ergo hatte dieser Knaller auch die beste Plattform verdient. Wenn ich einen 911er Porsche von ´74 fahre bringe ich ihn ja auch nicht inne Werkstatt, die sich auf Reparaturen von Rasenmähern spezialisiert hat.

Tja, was soll ich sagen? Die Ernüchterung kam flotter, als der "Flotte" nach dem Genuss von zu viel Federweißer. Entweder ich bekam überhaupt keine Antwort oder die, die ich bekam machte klar, dass es "Sauerland, Schützkenfest, Pilskes und was Totes" wahrscheinlich noch nicht einmal geschafft hatte, aus der Poststelle der großen Verlage an die Lektoren verteilt zu werden. Wenn ich einen Schnellhefter aufschlage und mich mit dem Inhalt beschäftige, also die Seiten umschlage, dann weisen diese Seiten danach Knickspuren auf, oder? Meine Schnellhefter kamen ebenso "jungfräulich" zurück, wie manch alte Jungfer, nach einem erfüllten Leben, zurück an den guten Alten Juppes geht ... ungeöffnet.

Es kamen Absagen, mit dem Hinweis, dass das man begeistert gewesen war, aber das Manuskript konzeptionell nich ins Verlagsprogramm passen würde. Abschließend versehen mit besten Wünschen und der damit verbundenen Hoffnung, dass es mir sicher gelingen würde, irgendwann und irgendwo einen Verlag zu finden. Das interpretiert man hier im Sauerland kurz und knappich mit : "Hau bloß ab du dösigen Lappes ..."

Ebenfalls erwähnenswert sind die Verlage, die mir blumig, überschwänglich und voller enthusiastischer Begeisterung auf 2 Din a4 Seiten mitteilten, dass ich mit meinem Regionalkrimi exakt das Genre bedienen würde, das der Markt heute verlangt. Schon deshalb müssten sie auch was verlangen, nämlich bis zu 20.000 Euro, stand dann auf der dritten Seite. Ne sehr enthusiastische Form der Begeisterung wie ich finde. Dat is wie als wennze deine antialkoholische Abstinenz, mit Rülpsbeschleuniger (Wasser), anne Theke vonne echten Sauerländer Kneipe auslebs und beim wechgehen sollze die Pilskes für alle löhnen ... Der beiliegende Autorenvertrag war schon vom Verleger unterzeichnet und das Kleingedruckte war umfassender, als ne komplette Ausgabe vom Brockhaus (für die Jüngeren unter euch, "dat Wikipedia in gedruckt").

Den einen, den wirklichen Autorenvertrag von einem kleinen Verlag in Bayern, hab ich unentschlossen, wochenlang auf meinem Schreibtisch hin und her geschoben. Wieder konnte ich mich den aufkommenden Fragen einfach nicht entziehen. Fragen, die sich wie scharfe Säure über meine gesättigte, fast übersättigte, selbstsichere Courage legten.

Würde man es mir übel nehmen, dass ich einen Mord an einem Sparkassendirektor zum Thema machte? Wenige Wochen vor "Sauerland, Schützkenfest, Pilskes und was Totes" hatte es so eine Tragödie wirklich gegeben. Nein natürlich hat "mein Mord am Spasskassendirektor Dieter Geldmacher" noch nicht einmal aus entfernter Sichtweise auch nur den Hauch von Ähnlichkeit. Trotzdem gab es einen Mord und man könnte mir unbedachtes, unüberlegtes und pietätloses Verhalten gegenüber der trauernden Familie vorwerfen.

Fakt ist auch, das sicher nicht jeder meiner Freunde und Bekannten den Humor und die mentale Stärke haben würden, die es ihnen erlaubt, ihrer überzogenen Beschreibung mit ähnlicher Gelassenheit zu begegnen, wie meine Nachbarin und Rainer Kiesel es getan hatten. Ich schob den Vertrag von einer Ecke in die andere ... wochenlang, bis ich mich dazu entschloss ihn in die Schublade zu legen und zu vergessen. Ich hatte das Schreiben dazu genutzt, um mich von weit ausse Welt, widda inne Welt zu bringen. Das war mir gelungen. Meine selbst verordnete Rehabilitationsmaßnahme war erfolgreich. Ich war auf dem besten Wege wieder ich zu werden. Zwar zukünftig abgeklärter und mit einem Quäntchen mehr Vernunft aber immer noch klar erkennbar mit alten, lieb gewonnenen Strukturen.

 

Warum dann getz doch du ollen ... Trankopp?

 

Weil mich die Idee "Sauerland, Schützkenfest, Pilskes und was Totes" doch noch mal zu publizieren nie verlassen hat.

Erst einmal passierten andere Dinge. Zuerst lernte ich meine heutige Frau kennen, wenige Wochen später ihre drei Kinder. Wir genossen das neue uns, unsere Liebe und ich genoss das, was ich bisher nie hatte, eine, meine Familie. Ich war noch lange nicht feddich mit dem genießen ... was meine Familie, explizit meine Frau angeht, wird das auch ein unendlicher Prozess, den wir zu unserem Leitspruch "für immer und dann noch´n ... bißken" formuliert haben, als es zweimal rappelte bei mir im Kopp. Odda anders, mein Kopp feierte ein vorgezogenes Sylvester mit zwei Riesenböllern. Das passierte im Oktober 2013 änderte und veränderte wieder mal und mal wieder ... alles. Ein Schlaganfall war mir nich genuch, also krichte ich ne Woche später noch ne Zugabe und die beiden einen Namen, Pat & Patachon. Ich geh ja nun auch nicht für´n leichten Suff inne Kneipe, wenn dann muss es klingeln Im Kopp und wenn´s klingelt, jibbet´s noch einen, weil´s klingelt, war in jungen Jahren meine Devise. Muss meine Birne wohl verinnerlicht haben ...

 

Es war dann so was wie ein Automatismus der mich zurück zu "Sauerland, Schützkenfest, Pilskes und was Totes" brachte. Ausgelöst durch den Umstand, dass ich nicht wie "normal", umgehend nach meinen Schlaganfällen zur Nachbehandlung in eine 4wöchige Rehabilitation geschickt wurde. Bezogen auf die Reha passierte nämmich nix und da ich nicht sabbernd und schnarchend in meinem Ohrensessel vor mich hinvegetieren wollte und mir Langeweile zu langweilig ist, wurde ich selbst aktiv. Wenn´s nicht mehr rund läuft im Kopp dann komm´se schon mal ins Denken rein, warum dat so is und watte denn nu dagegen tun kanns. Ich klickte mich durch´s Internet und informierte mich über Behandlungsmethoden bei Schlaganfallpatienten. Alles lief darauf hinaus, dass der Kopp trainiert wurde. Dass das, was in den in Mitleidenschaft gezogenen Arealen durch einen Schlaganfall zerstört worden war, anderswo neu aufgebaut und abgespeichert werden sollte. Konzentrationsübungen, Geschicklichkeitsspiele und viel frische Luft, waren ein wesentlicher Teil aller Therapien. Ich machte auf Autodidakt und behandelte mich ambulant, weil von stationärer Seite, also die Bewilligung für ne Reha auf sich warten lies. Hirnakrobatik war auch in Heimarbeit möglich, war mein pragmatischer Gedanke.

So kam eben auch der Tag an dem ich das Manuskript wieder aus den dunklen Tiefen der Computerfestplatte als Arbeitsdatei auf dem Desktop verlegte. Die Überarbeitung von "Sauerland, Schützkenfest, Pilskes und was Totes" hat fast zwei Jahre gedauert. Und wieder stand die Absicht zur Publikation nicht im Vordergrund, sondern das Korrigieren, Redigieren und Überarbeiten diente den einzigem Zweck meiner lädierten Birne Futter zu geben. Eben wie beim so´n alten Käfer mit kaputten Anlasser. Schieb die Karre an, dann läuft´se und achte drauf, dat´se nich widda ausgeht, dann läuft´se nämmich nich mehr.

Tja wenn man sich überlegt, dass es etwas mehr als ein halbes Jahr gedauert hat das Manuskript zu verfassen und dann über zwei Jahre in Anspruch nahm daraus das zu konstruieren, was man heute kaufen kann, zeigt einmal wie viel Arbeit es ist und macht wohl auch deutlich wat ich für´n schwammiges Potpourri im Synapsenschrank (Hirn)  hab. Mehr als neunzich Minuten intensive Arbeit war und ist nicht mehr drin.

Wieder suchte ich mir neugierige Testleser und wieder bescheinigte man mir trotz Kürzung des Manuskripts um fast 180 Seiten, so was wie Talent.

Und nu?

 

Wat und nu, du ... krabätzige Tuckeltante?

 

Das war auch meine Frage. Und nu? Typisch Sauerländisch eben, kurz und knappich aber selbst zwei Worte können von weittragender Bedeutung sein und Dingerkes von großer Tragweite auslösen.

Mein "und nu" bezog sich erst einmal auf die elementare Frage, wie die, was ich in Zukunft überhaupt machen wollte? Zurück in meinem Job als Kraftfahrer, is wegen meinem desolaten Gesundheitszustand eben nich. Das mir die Wullackerbehörde, dat is dat Arbeitsamt, keine weitere Umschulung bezahlt, ist auch meinem Befinden geschuldet. Laut Gutachten diverser Medizinischen Dienste unterschiedlichster Institutionen kann ... darf ich pro Woche nur 10 bis maximal 14 Stunden arbeiten. Dazu kommt, dass ich auf Grund meiner Sekundenausfälle kein Auto mehr fahren soll und der plötzliche Schwindel macht Fahrradfahren zu einem Abenteuer, außer ich schraub mir Stützräder dran. Da bleibt nich mehr viel ... aber ich sach´s ma so, es ist die Freude am Rest, wonnich.

"Geh´se ma zum "Wullackeramt" (Arbeitsamt), mach´s ma Kukkulukku und gucks ma, wat die so sagen", dachte ich leichtfertig optimistisch. Zudem musste ich da sowieso hin, weil das Krankengeld auslief. Nur so viel, Arbeitsamt: "Auf Grund der Verantwortung gegenüber der Solidargemeinschaft ist eine Weiterbildungsmaßnahme oder Umschulung zu Lasten der Versicherten, in Ihrem Fall nicht zu rechtfertigen ..."  odda im Sauerlanddeutsch: "..., geh ganz tief innen Arnsberger (Wald) un geh uns hier nich weiter auffe Nüsse drauf, wonnich." So isset in der Welt von heute, funktioniert was nicht mehr richtig, wird´s rücksichtslos inne Tonne gekloppt, anstatt es zu reparieren. Der Mensch zählt dazu ... Damit wusste ich doch wo ich stehe. Somit war eine Rückkehr zu einem normalen acht Stundenjob äußerst unrealistisch. Frührente mit 51? Nää, odda? Also doch Ohrensessel und zur Entlastung meiner Frau einmal am Tach mit dem Staubsauger durch de Zimmer schwofen? Nää, dat kanns doch nicht gewesen sein, odda?

Diese ganzen Fragen brachten mich zu einer Einsicht. "Wow diesma lichse abba so richtich auffe Fresse und stecks bis weit übba den Ääs (Hintern) im Schlamm(asel), wonnich." Erkenntnisse sind oft die Stützepfeiler für was Neues. Glauben Sie mir, ich weiß wovon ich schreibe.

"Abba nur weil dat Neuronenspektakel im Kopp nich mehr den Effet vonne Flipperkugel hat, heißt dat für dich doch nicht gleich Game over! Dann lässte es eben zukünftig langsamer klimpern inne Birne ..."

Ich nahm mir "Sauerland, Schützkenfest, Pilskes und was Totes" ein weiteres Mal vor. Las das Manuskript noch einmal, suchte mir ein professionelles, finanziell erschwingliches Lektorat, korrigierte dann das Lektorierte und gab es dann ein weiteres Mal zur Korrektur. Diesmal an eine sprachlich versierte Freundin meiner Frau. Uns Kati hat´n wachen und auch wissenden Geist. Sie sacht dir alles so vorn Kopp, wie es ihr selbs vom Gedankensortierer ins Sprachzentrum purzelt. Egal ob du vor Schreck nen Stritz inne Buxe kris odda glaubs dat Mädken hat nich mehr alle Püllekes im Kasten, uns Kati is immer ehrlich und schonungslos mit ihre Meinung, wonnich. Ich mach se dafür richtich gut leiden, wonnich. Sie is ne ehrliche und direkte.

Die Idee ihr das Manuskript zu Korrektur zu geben war eine spontane Entscheidung. Ich wusste, dass sie die Masterarbeit ihres Sohnes Korrektur gelesen hatte und als sie uns abends auf´ne Brause zu Hause besuchte, kamen wir auch auf das Manuskript zu sprechen. Kati zeigte sich mäßig interessiert an meinen geistigen Ergüssen, sagte mir auf meine Frage allerdings zu, es mal "quer zu lesen" und die Zeichensetzung "instand zu setzen".  Sie beichtete mir später, dass sie das nicht aus Interesse am Manuskript getan hatte, sondern das ihre Zusage zur "Instandsetzung" den Ursprung in der Freundschaft zu meiner Frau hatte.

Als ich ihr "Sauerland, Schützkenfest, Pilskes und was Totes" zum korrigieren gab, ging ich davon aus, dass sie mich schon nach dem Lesen des ersten Kapitels verbal nackich an den Pranger stellen würde. Uns Kati drückt sich sehr gepflegt aus und artikuliert immer blitzeblank. So´n Sauerländer Sprachkuddelmuddel, wie das meinige im Manuskript, konnte nur zu einem Eklat führen.

Mit Spannung erwartete ich ihre erste Wertung. Die kam schneller als ich dachte. Dat Kati entschuldigte sich, dass sie noch nicht durch sei, aber nach dem Lesen der ersten Kapitel, sei sie so fasziniert von der Geschichte, dass sie sie erst einmal zu Ende lesen wolle, bevor sie mit den Korrekturarbeiten beginnen würde. Sie las und korrigierte und attestierte mir Witz, Charme und auch, eine spannende Kriminalgeschichte geschrieben zu haben. Dat war, als würdes´se mit nem Engelken n´lekker Pilskes trinken, wonnich ... und setzte zum gestärkten Selbstbewusstsein auch Mengen an frischer Motivation frei. Trotzdem kam dann wieder kurz und knappich: "Und nu?"

Wollte ich das Manuskript ein zweites Mal zu Verlagen schicken? Nää ... bisse beklopp! Wollte ich es über kindle bei Amazon oder anderen Internetplattformen veröffentlichen veröffentlichen? Nää au nich...! Ja wat willze denn? Kerrokiste wat wird´n dat hier? Der neue Maoam Werbespot?

                                                                                                      

Wie is et denn dann passiert mit dem ollen Schinken, ... du Nürsel du?

 

Ich machte dieses Neumodische Gedönsdingen mit meiner Frau ... Wat? Nää, ihr Ferkelsköppe, ich schreib hier drübber, wie das Manuskript zum Buch wurde und nich ... Also ma echt getz, wonnich ... Ich machte dieses neumodische Gedönsdingens, dieses Brainstorming, mit meiner Frau. Dat is dat, wat´se mit de Abteilungen inne Firmen einma im Monat machen, mit dem Ziel, de Effizienz vonne Bude zu steigern. Eben bei Kaffee und Schnittkes locker drübber kujern, wat se besser machen können.

Wir nahmen die Sauerländer Luxusversion, bei lekker Schnitzelkes und kaltem, abba richtich kalten Sauerländer Pilskes, dem Veltins, bei Noko im Biergarten übba alles kujern, wonnich. Wo der is? Inne alten Stadt von Arnsberg odda Arnsberger Altstadt. Nirgenswo kriste so lekker Schnitzelkes und so kaltes lekker Veltins, wie bei Noko. In dem Zusammenhang is dat "Alte Backhaus" auch zu erwähnen, denn nirgenswo kannste besser Hochzeit machen als da. Der Biergarten einfach nur töfte. Hochzeiten gucken odda neudeutsch "wedding watching" odda "4 Hochzeiten und 7 Scheidungen ... ach nää ... eine Traumreise wonnich" live erleben, geht von nirgenswo besser als von vorm Ratskeller, gegenübba vom Standesamt un inner "Destille" auch inne Arnsberger Altstadt, kriste auch alles und alles is richtich gut und lekker is auch dat Beste Sauerländer Pilskes. So das zum Thema neue Heimat bewerben. Aber echt, die Arnsberger Altstadt mit dem Schlossberg, den verwinkelten Gässchen und den kleinen urigen Kneipen, ist einen Besuch wert. Damit dat zukünftig im Zentrum auch widda wird, wird da fleißig dranne gearbeitet, wonnich. Also ihr alle aus dem Land wo der Käse rollt odda vonne Ecke, wo´n "Klümpkesladen (Kiosk), Trinkhalle" heißt,  ma hinfahren mit de ganzen Bagage. Es lohnt sich.

Nu abba zurück zum neumodischen Gedönsdingens, dem Brainstorming, mit meiner Frau, sie war es zu der Zeit noch nich, abba sollte es in wenigen Wochen werden. Un wennzte soviel an Ereignissen vor de Brust haben tus, is dat vonne vorteilhaften Gesinnung, wennzte dich ma damit beschäftigen tus, wonnich.

Bei unserem Hochzeitshorridospektakel hatte die Planungsphase, bereits der Organisationsphase Platz gemacht und  bis auf ein paar unwesentliche Kleinigkeiten, wie die, wo unsere Hochzeitshorridoreise hingehen sollte, war auch die so gut wie abgeschlossen.

Wir besprachen die diversen Möglichkeiten "Sauerland, Schützkenfest, Pilskes und was Totes", zu publizieren und waren uns schnell einig, dass es einen Download bei amazon vorläufig nicht geben sollte. Also Hakken dran ... ääh Haken dranne. Eine kostenpflichtige Zusammenarbeit mit einem Verlag war so irreal, wie die Chance, dat ich noch mal dat Geige spielen anfang, Haken dran. Dat Manuskript auf diversen Internetplattformen wie Leselupe oder andere, wie sauer Bier anzubieten, wollten wa nu auch nich, Haken dran.

Was blieb, war eben das, was ich sowieso schon seit längerem favorisierte, der Selbstverlag. Die Vorteile, niemand würde uns rein reden. Kein Lektorat würde den verfuckelten Sauerländer Dialekt entgraten oder gar durch Hochdeutsches ersetzen wollen. Keiner würde mich zu Werbezwecken auf ne Lesetingeltour durch dat schöne Deutsch"e"land schicken. Nicht das ich das nicht wollen würde, wenn es sich hier auf die Region bezieht. Dat Problem is, ich kann dat nich mehr. Dat flüssige, laute lesen haben entweder Pat oder aber Patachon inne Tonne getreten. Für mich, also leise lesen fluppert, abba laut ... geht gar nich mehr. Ein Goggomobil mit Fehlzündungen zündet regelmäßiger und flüssiger, als ich´n Satz laut lesen kann. Ich fang et Stottern an, bekomme das mit dem Timbre nicht mehr auf die Kette und in der Gesamtheit hört sich dat dann an, als würde nen Sauerländer versuchen, in Usbekistan auf polynesisch, Goethe zu rezitieren.

Auch hätten wir, wenn wir "Sauerland, Schützkenfest, Pilskes und was Totes" im Selbstverlag publizierten alle Freiheiten. Die Umschlaggestaltung, die Vertriebswege und vor Allem würden die Rechte am Buch, bei uns bleiben.

Der Nachteil, so´n Selbstverlag is nu ma nich ganz so günstich, wonnich. Und wenn man das dann arrangieren kann, bleibt ein immenses Arbeitspaket übrig, das sukzessive abgearbeitet werden muss. Es bringt ja nun nichts ein Buch auf eigene Kosten drucken zu lassen und dann eins auf´n Briefkasten zu nageln und darauf zu hoffen, dass dir die interessierten Leser getz die Bude einrennen, nur weil der Postbote ihnen erzählt hat, wat da dolles beim Timmendorf auf´n Briefkasten genagelt ist.

Trotzdem entschieden wir uns letztendlich für den Selbstverlag. Auch weil es mir schon immer wichtig war, die Dinge selbst in der Hand zu halten. Ich habe schon seit jeher Probleme mit Autoritäten, wenn sie bei Angelegenheiten, die ich selbst entwickelt und oder aufgebaut habe, nicht von mir selbst ausgeht. Stopp, das soll nicht heißen, dass ich nicht Kritikfähig bin. Solange sie konstruktiv ist und meine gemachten Fehler emotionslos begründet, bin ich dabei.

Ich bin in meinem Leben schon so oft ohne Angst und nasse Füss über dichte und verschlungene Dschungelwege gegangen, die so verworren und unüberwindlich aussahen, dat selbs dat Dingen von Tarzan unterm Lendenschurz nicht mehr gebaumelt hätte. Klar, hab ich mich manchmal auch verlaufen aber bin eben auch öfter auf herrliche Lichtungen gekommen, die noch keiner vor mir gesehen hat.  Die Verantwortung ob positiv oder negativ lag aber dann ausschließlich bei mir selbst. Das alles hat mit Risikofreude wenig zu tun, Es ist eher das pragmatische Denken, selbst was zu tun. Dann kann ich tun was ich will und es auch tun, wie ich es tun will. Und auch mal etwas zu tun, was andere nicht tun. Stur? Jepp, ich bin ein sturer Esel, wenn es um Dinge geht, die ich mir in den Kopp gesetzt habe. De Rosinante von Don Quichotte war´n lammfrommes, williges Stück Tier im Gegensatz zu mir.

Also, "Keinen Kopp machen ... sondern weiter machen"!!! Mehr als ein weiteres Mal mit einem lauten Flotsch im Schlamm, auf dem Bauch zu landen kann nich passieren. Und wer bekommt für das auf´n Bauch flotschen ne Haltungsnote von zehn? Genau ...! Und mit nem breiten Grinsen wieder aufstehen, während dir der Schlamm noch wie feuchte Popelsuppe ausse Nase dröppelt, is auch was, was ich beherrsch, wie Sepp Maier das Tor der Deutschen Nationalmannschaft. Geht zwar nich mehr so flott, wie mit Mitte zwanzig, abba wichtig ist hier nicht das, "wie du aufstehst", sondern ausschließlich, "das du widda aufstehst". Und was also, sollte groß passieren?

Vorsichtiger, bedächtiger und auch besser vorbereitet war ich diesmal nur, weil meine Frau das Dingen mit der konstruktiven Kritik gar meisterhaft beherrscht und mich auf mögliche Eventualitäten hinweist, auf die ich in meiner Euphorie nie kommen würde oder aber absichtlich verdränge. Weil wir in einer harmonischen und nahezu perfekten Ehesymbiose leben, ergänzen wir uns, sodass wir unsere Schwächen kompensieren können. "Nahezu perfekt" aus dem Grunde, weil in dem Wort "perfekt" mitschwingt, dass es nicht noch besser geht und besser geht immer. In etwas perfekt zu sein, oder aber etwas perfekt zu machen, unterbindet jedwede Form der Steigerung und das bedeutet wiederum Stagnation ...

Wir waren uns einig, dass wir bei allem was "Sauerland, Schützkenfest, Pilskes und was Totes" anging die Fäden selbst in der Hand behalten wollten. Das bezog sich auch auf die Vermarktung und die Möglichkeit der "Produktionsbeihilfe", dat Wort kannte ich auch noch nich. Eine Umschreibung für die Anzeigen auf den Umschlaginnenseiten.

                                                                                                    

Wie getz kommse wirklich und endlich auf´n Punkt du .... useligen Zappadäus?

 

Nachdem wir uns in allen Belangen einig waren und die Rechnung bei Noko vom Haushaltsgeld bezahlt hatten, machte ich mich am nächsten Tag gleich anne Arbeit dranne. "Ich" aus dem Grunde, weil meine Frau einen Job hat, der ihr wenig Zeit für die ganzen administrativen Vorbereitungen lässt. Sie arbeitet aktiv mit im Pilsken Verlag und ist sogar meine Chefin, weil ich ihr alle Rechte an "Sauerland, Schützkenfest, Pilskes und was Totes" übertragen habe. Bei einem Verlag, der derzeit nur ein Buch vermarktet, sind die anfallenden geschäftsführenden Arbeiten noch nicht so zeitintensiv, dass man den ganzen Tag dafür aufbringen muss. Ihr einziger, derzeit unentgeltlich arbeitender Mitarbeiter ... ich ... habe aber Zeit und natürlich ist es mein Bestreben, dass Vorhaben meiner Frau (Chefin), nach Kräften zu unterstützen. Sie lässt mir die Freiheit der freien Zeiteinteilung und gibt mir eben den Job, den ich auf dem freien Arbeitsmarkt auf Grund meiner lädierten Synapsenkiste nicht mehr bekommen würde ...

...

Getz muss ich gedankenmäßig doch ma übba nen abgeernteten Kartoffelacker inne Brombeerbüsche laufen, abba das muss getz raus:

...

Ham´se zugehört Frau Andrea Nahles, Bundesministerin für Arbeit und Soziales? Meine Frau muss mir den Job schaffen, den der ganze Apparillo dem sie vorstehen nicht auf de Kette kricht. Milliarden geben se in die Verwaltung der Arbeitsämter, aber adäquate Möglichkeiten zu schaffen, dass ein Großteil der Arbeitssuchenden Menschen etwas sinnvolles mit ihrer Zeit anfangen und die Chance bekommen, wieder ein würdiges, von der Gesellschaft akzeptiertes Leben zu führen, dat kriegen se nich hin. Dafür muss der Bürger, der den ganzen Schisselameng mit seinen Steuergeldern finanziert, selber sorgen.

Was? Es ist der Bundesregierung doch gelungen die Arbeitslosenzahlen drastisch zu senken. Wir ham fast Vollbeschäftigung. Wir ham Mindestlohn. Klar ham wa Mindestlohn, aber wenn durch staatlich erlaubte Geldschieberei zu Lasten des Arbeitnehmers doch wieder 5 Euro brutto pro Stunde da stehen, dann beweist das nur eins, nämmich das Sie das Geld zu denen schieben, die es bereits haben, aber nicht zu denen, die es brauchen. Soziale Gerechtigkeit!?! Asoziale Gesetzgebung nenn ich so wat.

Vollbeschäftigung? Entschuldigen Sie den verbalen Totalausfall, abba wollen se mich de Tuppeskappe aufsetzen und als Lachnummer auf de Soester Kirmes stellen? Hunderttausende sind in Beschäftigungsmaßnahmen, tauchen somit in der Statistik nicht auf. Weitere Hunderttausende sind Aufstocker, soll heißen, trotz Vollzeitarbeit sind diese Menschen nicht in der Lage, sich ein bescheidenes Leben aus eigenen Mitteln zu finanzieren. Sie werden vom Amt unterstützt, erscheinen ebenfalls nicht in der Statistik. Und noch mal Hunterttausende sind Minijobber. Dat Wort is ne sprachlich verbale Verirrung. Minijobber. Die Minijobber haben oft drei oder vier Arbeitstellen wo se minijobben und kommen trotzdem nich klar mit dem Geld. Sie müssen ebenfalls aufstocken. Tauchen, wie soll´s auch anders sein, in keiner Arbeitslosenstatistik auf weil se ja minijobben. Jedes vierte Kind in Deutschland lebt unterhalb der Armutsgrenze. Rentner sammeln Pfandflaschen, weil die Rente nicht reicht. In einigen Städten gibt es mehr Tafeln für Bedürftige als Restaurants. Und Sie lamentieren wie alle ihre weltfremden Kollegen auch, dass alles Töfte ist, in unserem schönen Deutsch"e"land???  Schämen sollten Sie sich ... schämen. Es ist die Bürgerfeindliche, oft Menschenunwürdige Politik und die arrogante Ignoranz der Verantwortlichen, mit denen Sie und Ihre Kollegen, dieses Land kaputtmachen.

Nicht, dass es die Möglichkeiten, die Förderungsprogramme für Arbeitslose oder Geringverdiener nicht gibt, denn es ist im Sozialgesetzbuch verankert, dass es die Möglichkeiten geben muss. Die dementsprechenden Töppe werden auch jährlich mit ner anständigen Summe aufgefüllt, nur abgerufen wird, weniger als ein Drittel. Warum? Weil noch nicht mal die Fallmanager vom Amt wissen, über welche diversen Töppe, Förderungen möglich sind. Und wenn sie es doch wissen, behalten sie das für sich, wie ein Kleinkind den letzten Schokoladentannenzappen vom Nikolausteller. Nix gegen euch ihr Fallmanager, ihr arbeitet auch nur nach Anweisung. Schuld ist nicht, wie so oft, das ausführende Organ, sondern das gesetzgebende Organ. Hier eben die Politik. Es gibt Ratgeber die einen Arbeitslosen oder einem Harzer, HartzIV Empfänger, über seine Rechte und seine Möglichkeiten zur Förderung informieren. Die ihm Schritt für Schritt erklären, wie er sich der negativen Argumentation der Fallmanager entzieht und an Hand von Gesetzen erläutert, dass er nicht bettelt, sondern, dass das was er beantragt hat, im zweiten Sozialgesetzbuch verankert ist. Das er nichts anderes tut als sein Recht wahrzunehmen und das er nichts anderes möchte, als das was der Staat auch von ihm erwartet, nämlich  seinen Pflichten nach zu kommen. Und diese Bücher rangieren auf der Sachbuchhitliste weit weit oben.

Ich persönlich finde es beschämend, dass es diese Bestseller überhaupt gibt. Es ist jämmerlich, wie die Politik unseres schönen Deutsch"e"lands, mit ihren Bürgern umgeht ...

Vielleicht is mein Sauerländer Schädel zu dickwandig, die Hirnzellen zu träge und das komplette Neuronenspektakel bewegt sich so zäh, wie der Urlaubsverkehr am ersten Ferienwochenende am Kamener Kreuz, aber da müssen Rechtsanwälte, Maurermeister, Informatiker und  Facharbeiter, im Ein-Euro Job, Hundekacke im Park aufklauben, anstatt das das Wullackeramt mal den Finger ausse Furt und die Hand vom Kaffeepott nimmt, um gemeinsam mit dem Arbeitssuchenden die Möglichkeiten eruiert, die es gibt und die vom Amt gefördert werden ... werden müssen. Nein, um an die Förderung zu kommen, muss der Arbeitssuchende das tun, wozu noch nicht einmal der Fallmanager mit Fachausbildung des Arbeitsamtes in der Lage ist. Er muss sich nämlich durch den Wust von Formularen, Anweisungen, Bedingungen, Vorschriften und Weisungen arbeiten, um die Förderung erst einmal zu finden und dann Anträge ausfüllen, die in der Fragestellung inzwischen so intim sind, dass es nicht verwunderlich ist, wenn nach der Überarbeitung dieser Anträge für 2017, auch noch Fragen nach den bevorzugten Sexualpraktiken und der Konsistenz des Stuhlgangs auftauchen, um die Förderung überhaupt zu bekommen.

Aus meiner Sicht ist das Absicht und Schikane. Die Töppe muss es geben, weil es der Gesetzgeber so verlangt. Aber damit sie eben nicht abgeschöpft, sondern zweckentfremdet werden können, wird es denen, denen das zusteht fast unmöglich gemacht, auch nur den kleinen Finger in so´n Topp zu tauchen  ...

Zurzeit, signalisiert meine Frau, als Chefin des Pilsken-Verlag, der Wullackerbehörde einen Langzeitarbeitslosen einstellen zu wollen, dem es auf Grund seiner angegriffenen Gesundheit nicht mehr möglich ist, sich in einen normalen Arbeitsablauf zu integrieren, nämmich mich. Das ist, nebenbei erwähnt, vom Medizinischen Dienst des Arbeitsamtes genauso formuliert. Nicht ich, sondern ein Ärztekonsortium, dass mich nie selbst gesehen hat, hat auf Grund meiner Krankheitsakte entschieden, dass meine Existenz für die Gesellschaft in der Sparte nutzlos anzusiedeln ist.

Aber auch schwer Vermittelbare haben den Anspruch auf Vermittlung. Sie werden vom Staat ebenso gefördert, wie die Einstellung von körperlich behinderten Menschen. Generell ist das heute eine administrative Routine. Antrag bekommen, Antrag ausfüllen, Antrag stellen, Antrag wird nach eingehender Prüfung genehmigt, Förderung wird bewilligt, feddich. Ist aber ein naher Verwandter, oder in meinem Fall, meine Frau mein zukünftiger Arbeitgeber, wird dir sofort unterstellt, dass du die Sozialkassen bescheißen willst.

Auch´n Thema is abba, dass ich nach wie vor in ungekündigter Stellung bin. Ich hab immer noch den Goldenen, den unbefristeten Arbeitsvertrag. Das heißt, ich hab nen Job, werde aber als Arbeitssuchender beim Amt geführt. Warum das so ist? Nach 78 Wochen entfällt, das Krankengeld. Der Kranke wird ausgesteuert. Ist man weiterhin arbeitsunfähig, muss man sich beim Arbeitsamt melden, um sicher zu stellen, dass die Krankenversicherung und Rentenversicherungsbeiträge weiterhin bezahlt werden. Alles ein heilloses Durcheinander. Solche Situationen zu lösen, ist für manchen Fallmanager beim Wullackeramt ähnlich unmöglich, wie das Lösen eines Sudoko Rätsels, für einen Menschen mit Dyskalkulie (Rechenschwäche).

Dat musste getz ma ... Warum?

Weil ich meine Zeit im Wartebereich des Arbeitsamtes damit verbracht hab, die Lauscher in den Wind zu stellen und mir Schicksale und Ungerechtigkeiten inne Öhrkes flogen, von denen ich der festen Meinung war, dass das im Deutsch"e"land des dritten Jahrtausends nicht mehr vorkommen kann.  Weil ich einen arbeitslosen Rechtsanwalt erlebt habe, der versuchte der Sachbearbeiterin unter Hinzunahme des Sozialgesetzbuches klar zu machen, dass ihm der Staat diesen von ihm beantragten Förderungszuschuss bewilligen muss. Sie aber darauf beharrte, das sie ihm den Zuschuss nicht bewilligen darf. Weil ich mein erstes Gespräch bezogen auf meine berufliche Zukunft hinter mir habe und seit Tagen, begleitend zu meiner Schreiberei dabei bin, die mir gesetzlich zustehenden Förderungsmöglichkeiten zu eruieren und zu sondieren. Dieser absichtlich verdichtete, bürokratische Dschungel ist schier unüberwindlich Das ist administrativer Wahnsinn in Reinkultur. Den einzigen nachvollziehbaren Sinn den ich darin erkenne ist, dem Bürger das vorzuenthalten was ihm zusteht. Aber auch das ist nicht nachvollziehbar oder? Wenn ihm das aber zusteht, warum bekommt er das dann nicht auch? Klar, nach eingehender Prüfung, aber das man das vorenthält, was den einzelnen fördern soll und wieder in die Gesellschaft integriert, eine Grundsatzdirektive des Arbeitsamtes, widerspricht sich doch.

Eine  zehnprozentige Diätenerhöhung der Bundestagsabgeordneten ham die binnen zwei Minuten durch alle Instanzen gepeitscht. Aber einer gehbehinderten Oma mit Minirente einen Schwerbehindertenausweis auszustellen, mit dem sie kostenfrei die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen kann, dauert bis zu einem Vierteljahr???

Ist es an Hand solcher Beispiele verwunderlich, dass so mancher Bundesbürger heute denkt, dass es in einer durch und durch korrupten Bananenrepublik, die zudem noch diktatorisch geführt wird, gerechter zugeht, als im schönen Deutsch"e"land im Jahr 2016 ...?

Dat musste auch noch, abba getz is auch gut ...

 

Wie getz, kommen wa ächt zum Ende, du ...?

 

Aber wieder ein paar Monate zurück. Dat Problem ist ja, dass ich nicht mehr kontinuierlich inne Welt steh. Ich kann das für ein bis maximal zwei Stunden und dann brauch ich ne Pause. Meine Hirnzellenaktivierer haben am frühen Morgen die besten Beschleunigungswerte. Ab Mittag hab ich manchmal dat Gefühl, dat son Oppa Hens sich de fertig produzierten Gedanken in nen Bollerwagen legt und dann gemütlich übba, zugegeben kurvige Hirnwindungen, zu den Andockstationen im Kopp zockelt, wo er sie dann zum weiterverarbeiten ablädt. Jepp, eben so´n Gefühl wie Kurzarbeit im Kopp.

Das machte die Vorbereitungen für die Publikation so unendlich zäh, zog sie so dermaßen in die Länge, das bei mir, dem Männeken mit der schlechten Eigenschaft der Ungeduld, der Eindruck entstand, ich würde wie ein Hamster auf´m Laufrad, zum Ziel kommen wollen. Bis ich mich und mein verlangsamtes Agieren akzeptierte, würde die Welt noch so manchmal die Jahreszeit wechseln.

 

Ich suchte mir als erstes eine Druckerei. Irgendwo muss man ja anfangen. Noch in einem rein imaginären und informativen Gespräch erläuterte ich mit Herrn Sch. Umschlaggestaltung, Format, Papierqualität, Auflagenstärke und ähnliches. Das ganze bekam ich dann als freibleibendes Angebot. Jetzt wussten wir schon mal, was uns der Spass kosten würde wenn ...  Nur wenige Tage später rief Herr Sch. mich an und sagte, dass es durchaus die Möglichkeit gäbe, die Entstehungskosten zu reduzieren, wenn ich meine Zeilenlänge um etwa 1,5 cm heraufsetzen würde. Aha! Also machte ich das ma und schwuppdiddiwupp reduzierte sich der Umfang um satte siebzig Seiten. Das gefiel mir ... für ein bis vier Minuten. Denn die Verlängerung der Zeile um anderthalb Zentimeter würde unwiderruflich eine erneute, diesmal wohl die siebte oder achte Überarbeitung zur Folge haben. Warum? Weil sich die Trennstriche verschoben, weil die Absätze verrückt wurden und das Gesamtbild nicht mehr stimmte.

Und nu?

Wieder ran, ein weiteres Mal lesen und korrigieren. Trennstriche setzen, Absätze richtich rücken. Wieder Fehler entdecken und korrigieren. Absätze löschen, sie durch neues ersetzen. Eine Arbeit für Monate. Die reale Welt war für mich inzwischen mehr Juppsdorf am Mühlensee, als zu Hause in Öeventröpen. Ich er,- und durchlebte die Kneipengänge von Timmendorf, war Rainer Kiesel, lebte Omma Schäfer und war sprachlich auch schon mal auf dem Niveau das Onkel Karl und Onkel Franz so drauf haben, wonnich. Abba ich hab ja, wie erwähnt, trotz allem so was wie´n bissfesten Charakter. Will ich was, arbeite ich so lange daran, bis ich das auch bekomme und wenn´s so manchen Zahn kostet.

Im September letzten Jahres hab ich die Arbeit dann für 4 Monate unterbrochen, oder anders, nur sporadisch am Manuskript gearbeitet. Zum einen, weil ich dat Leipziger Allerlei im Kopp oder das Freienohler Gerümpel, wie hier in Öeventröpen sagen, nicht mehr ordnen konnte aber auch weil die Horridohochzeit mit einer Prinzessin anstand. Wir machten Hochzeit und wir machten Hochzeitsreise.

 

Im Oktober´15 kam die vierteljährlich wiederkehrende Quartalsreise durch die Sprechzimmer der Fachärzte. So was dauert immer. Nicht nur de Wattezeit inne Wattezimmer, nein auch auf Grund der Masse an Ärzten, die sich mit meiner Grossbaustelle auseinandersetzen, is dat schon mit ner Odyssee zu vergleichen. Besonders dann, wenn man per Bus oder Bahn anreisen muss, weil Autofahren is ja nich mehr.

Dann waren da noch mehrere Termine, die Klarheit darüber bringen sollten, warum die Rentenversicherungsanstalt bei der Rehagenehmigung so geschlampt hatte. Für Klarheit, musste bei denen abba klagen. Ergo muss jetzt eine Klage für Klarheit sorgen.

Im November flog meine Frau für 8 Tage nach Dubai um ihre Tochter zu besuchen. Ihr Mann ist von seinem Arbeitgeber für zwei Jahre dorthin "deportiert" worden und sie ist mitdeportiert. Inzwischen haben wir sie aber wieder importiert und ihr Mann wird in wenigen Wochen Express, per Luftpost hinterhergeschickt.

Ich war für die Woche Putz"e"frau, machte also den General, nää ich machte es mit dem General ... dat sauber machen getz, wonnich. Nur nich auf falsche Gedanken kommen hier. Ich war Köchin, die männliche Klementine und für all das andere zuständig, was meine Prinzessin neben ihrem Vollzeitjob sonst noch zu Hause macht. Ehrlich? Selbst ein gesunder Mann wäre wohl kaum in der Lage, neben dem Job, noch all die Arbeiten zu stemmen, die Frauen neben dem Job noch erledigen. Bewunderung, Anerkennung und Hochachtung an all die Hippen die diesen Zusatzbelastungen ausgesetzt sind. Besonders an meine Prinzessin, weil zu der Zusatzbelastung noch eine kommt, mit der se abba auch generös feddich wird ... ich!

Der Dezember war hektisch, der Januar wie immer teuer aber ruhig und die Facharztquartalsreise war auch widda dran. Erst Anfang Februar´16 nahm ich die Arbeit an "Sauerland, Schützkenfest, Pilskes und was Totes" wieder auf.

Jepp ich weiß, ich bin, wie man hier zu sagen pflegt "Hämmerken dösich" (dämlich oder bekloppt), dass ich mir den Hammer auch selbst auf´n Kopp dengeln könnte. Nach vier Monaten Pause waren selbst mir als Autor viele Passagen unbekannt und ich fing, wie sollte es auch anders gehen, widda ganz vorne an.

Meine Frau, jetzt war sie es ja auch offiziell, und ich hatten in der besinnlichen Zeit, der Weihnachtszeit ... nicht die Zeit zwischen zwei Saufereien, wie das schon mal gern von nem Buiterling (Zugezogenen) interpretiert wird, wenn´s ums besinnliche im Sauerland geht ..., wir hatten also in der Weihnachtszeit Pläne gemacht. Ganz oben, das Manuskript zum fertigen Buch zu puschen, endgültig und mit ein bißken Pfeffer im Arsch. Dann wollten wir auch noch umziehen. Urlaub auf Mallorca wollten wir aber auch. Wir waren 2015 schon nicht da gewesen, deshalb ist 2016 schon fast ein Muss. Mit dem ausgearbeiteten Zeitarrangement sollten wir klar kommen ... dachten wir. Wenn so´n Sauerländer schon mal ins denken rein kütt. wonnich. Der denkt ja sowieso so kriselich, wie ne Sauerländer Bergstrasse aussieht und verläuft, eng, mit immensen Steigungen und hinter jeder Kurve ne Serpentine. Unser Zeitarrangement war natürlich wat für de Tonne. Dat dat inne Buxe geht war klar. Alles gruppierte sich letztendlich um unseren Urlaub, den wir schon im Oktober´15 gebucht hatten. "Sauerland, Schützkenfest, Pilskes und was Totes", sollte vorher noch erscheinen, die Internetseite sollte vorher noch online gehen, die regionalen Buchläden vorher noch beliefert werden und der Einzelhandel in Öeventröpen, vom Friseur übba de Dortanke, dem Stadtbüro, dem Bäcker, dem Doktor bis hin zum Blumenladen mit angeschlossenem Literaturcafe, sollte vorher auch noch mit Exemplaren ausgestattet werden. Wir mussten den Pilsken Verlag vorher gründen und vorher mit dem Kapital ausstatten, das wir für den Druck, die Umschlaggestaltung, die Internetseite, die Bürogrundausstattung wie Einrichtung, aber auch Brief, und Rechnungsbögen und die ersten Vertriebskosten benötigten.

Begleitend dazu mussten wir vorher noch einiges regeln, was sich auf die neue Wohnung bezog. Es soll ein Pelletofen installiert werden, die komplette Wohnung bekommt neue Fenster und wird von Grund auf renoviert, Türen fliegen raus und werden durch Glasschiebtüren ersetzt. Alles Vermieteraufgaben, aber bei so einer Renovierung ist es ja durchaus von Vorteil, wenn der neue Mieter seine Ideen einbringen kann und sie auch einbringen darf. Telefon, Internet, Fernsehen müssen punktgenau, also zu 01.09.2016, eingerichtet und funktionstüchtig sein. Ein Umzugsunternehmen musste her und für ne neue Küche war es auch Viertel vor Buxenknopp. Die Hersteller gehen Mitte Juni in die Sommerferien und nehmen die Produktion erst Ende Juli wieder auf.

Das alles kostet viel Zeit und es kostet alles ne Menge Tattas. Auch hier geht das Lob an meine vorausschauende Frau. Dat Mädken hat nicht nur alles im Griff, dat Mädken hat auch immer alles im Blick. Und sie dachte schon zu Zeiten darüber nach, in denen ich noch damit beschäftigt war, zu überlegen was ich ihr 2013 zu Weihnachten schenken wollte. Würde Schäuble, die schwatte Null ... äh ich mein dat is der mit der schwatten Null, die Finanzqualitäten meiner Frau auch nur erahnen, dann, wär die, die Merkel in hübsch, im Ministerium für de Finanzen und ich wär "Pitter allein zu Haus". Dat is nich der hübsche, dat is der, der aussieht wie rückwärts durch ne dichte Dornenhecke gezogen.

 

Bei einem weiteren Besuch in der Arnsberger Altstadt "brainstormten" meine Prinzessin und ich über die bevorstehenden Kosten. Von Mai bis Ende September´16 würden wir Geld hier inne Regionalwirtschaft pumpen, dat die staatlichen Konjunkturprogramme für Arnsberg überflüssig machen würde. Un dat wat wir nich inne Region pumpten, würden wir auf Mallorca lassen. Ich erwähnte bereits, dass ich das mit nem spitzen Bleistift rechnen nie drauf hatte, wonnich. Für mich gab´s immer nur den dicken schwatten Edding, den ganz dicken.

Mussten wir das ein oder andere Projekt einschränken oder gar verschieben? Die zu addierenden Zahlen auf dem mitgebrachten Schmierzettel summierten sich ähnlich flott, wie die Striche für dat Beste Sauerländer Pilskes, dem Veltins, auf meinem Deckel.

Es mag beim Lesen der Eindruck entstehen, als würde ich außer schreiben und saufen nix machen. Is aber falsch. Ich führ hier nur die kurzen Dekaden an, in denen ich ma´n Pilsken trinke, die langen Phasen der Enthaltsamkeit, werden hier ja gar nich erwähnt. Ich trinke ausschließlich lekker Sauerländer Pilskes und ich trinke es ausschließlich in Gesellschaft. Schon mal´n Glas lekker Sauerländer Vollmilch getrunken? Eine Hochgenuss! Zu Hause rühr ich noch nicht mal Rumaroma in den Vanillepudding, lösche die Soße für den Rinderbraten nicht mit Rotwein ab und kann den Krustenbraten nicht mit Pilskes aromatisieren, weil wir keins im Hause haben. Es passiert, dass ich über Wochen keine Pilskes anfass. Es passiert abba auch, das ich wenn wir unterwegs sind, den Knorpel nach links knicke und et laufen lass. Bitte verschont mich mit den Vorwürfen, dat ich dat doch nich machen kann, weil ich doch mit Pat & Patachon geschlagen war. Zu dem "es ist nicht mehr viel ... aber es ist die Freud am Rest", zählt der Genuss von nem lekker kalten Sauerländer Pilskes dazu. So, dann ham´wa dat auch geklärt, wonnich.

Die Endsumme die meine Prinzessin auf dem Zettel Siebenunddreißigmahl mit nem Kuli umrundet und somit unübersehbar markiert hatte, führte dazu, dass ich ganz fixe noch zwei Lekker Sauerländer Pilskes bestellte, bevor sie um unsere Tattakiste ne Kette mit dickem Vorhängeschloss legen würde, von dem nur sie den Schlüssel hatte.

Konnten wir was sparen und wenn wo? Urlaub? Nää ... da bestimmt nicht. Am Umzug? Nich wirklich. Klar, wir könnten den Umzug mit Freunden und Verwandten machen, entsprechende Angebote lagen vor, aber das wollte ich nicht. Ich wollte kein Umzugs-Happening, mit Event Charakter, sondern umziehen und das so professionell und schnell wie es geht. Das Umzugsunternehmen Arndt aus Arnsberg garantiert uns alles innerhalb von einem Tag zu erledigen und der Preis ist absolut in Ordnung. Bei den neuen Möbeln sparen? Explizit bei der Küche für die neue Wohnung? Ne Feuerschale wollt ich immer schon und ne Suppe könnten wir uns vielleicht auf dem Pelletofen warm machen, aber ne Feuerschale mit Schwenkgrill als Ofenersatz, da machte meine Prinzessin nich mit. Das Küchenstudio Pape in Hüsten war unsere Adresse und wir fühlten uns dort mehr als gut beraten und "bedient". Es gab auch andere, deren Beratung gut war, abba wenn´se an den selbsternannten Gott der Küchenverkäufer geraten, also an so einen der keinen anderen Küchenverkäufer außer sich selbst für würdig und andere sowieso für inkompetent und dilettantisch hält, dann muss man so einem auch ma zeigen, wo der Sauerländer sein Pilskes holt, wonnich.

Fazit, beim Urlaub wollten wa also nich, beim Umzug konnten wa also nich, bei den Möbeln durften wa also nich, dann mussten wa also beim Projekt Buch sparen. Ich hatte dieses Gutscheinbuch aus der Region im Blick, das auf der Theke des Restaurants stand. Zwischen Unmengen von Werbung und Angeboten wie "Essen Sie einen Salat und der Veganer bekommt das panierte Kalbsschnitzel umsonst" oder "Nehmen Sie das 3 Gang Menü, dann kricht ihr Oppa nen Kanten trocken Brot von ´78 auf lau" finden sich dort wirklich gute, preisreduzierte Offerten für Restaurants, Kneipen, Museen, Cafés, Schwimmbäder, anderen regionalen Geschäftszweigen und kulturellen Einrichtungen. Finanziert wurde der Druck des Buches mit ... Werbung.

Werbung ...??? Werbung ...!!! Na klar, Werbung, warum nicht?

Die Idee war feddich, bevor der Oppa mit Bollerwagen in meinem Synapsenkasten überhaupt begriff, dat ich ihn mit der Idee durch´n Kopp schicken wollte, damit er die dafür notwendigen Verknüpfungen arrangieren sollte. Die Idee ist nicht neu. Maggi nutze die Trivialliteratur wie Science Fiction- Arzt- Adel- oder Westernromane für Werbeanzeigen. Die Groschenromane, wie Lassiter, Perry Rhodan u.a. sind uns aus den 70ern gut bekannt. Der spannungsgeladene Leser schlug in voller Erwartung die Seite um und ... seine ganze Konzentration richtete sich auf ... ein Foto der "5 Minuten Terrine von Maggi". Ungefähr so, wonnich... "Bevor Doktor Horatio von Knickebein zu seinem intimen Tete a tete mit der Baronin Kunigunde von Worcester aufbrach, gönnte er sich erst mal ...  die 5 Minuten Terrine von Maggi ... Maggi, ne tolle Idee ..." oder "Lassiter wusste, dass es hier auf der staubigen Strasse von Winchester City zum Showdown mit dem schiesswütigen Revolverhelden Target kommen würde, doch vorher gönnte er sich erst einmal ...  die 5 Minuten Terrine von Maggi ... Maggi, ne tolle Idee ..."

Ob der Leser nun wollte oder nicht, ihm kam sofort das Maggi Werbelied in den Sinn. Geniale Idee. Werbung in Büchern hat also durchaus Sinn für den Werbenden und dient nicht ausschließlich dem Autor zur Produktionshilfe und Publikation seines Romans.

De Tütensuppen, ob von Maggi, Knorr oder anderen Herstellen sollen ja inzwischen de Keimzellen von Glutamat und anderen Dingen sein, die der ernährungsbewusste Verbraucher von heute maximal dafür nutzt die Kaffeemaschine zu entkalken oder das Siphon zu spülen. Mir is das peng, es gibt einige, die sind lekker und aus der Champignoncremesuppe kann man eine vorzügliche Soße für´n Schweinefilet machen. Echte Pilzkes ... Pilze nich Pilskes, dazu noch frische Kräuter, ein Löffelken creme fraiche und feddich sind richtich lekker Medallions mit ner Pilzrahmsoße.

Trotzdem kam kein Werbepartner in Frage der nicht einen direkten Bezug zum Sauerland oder unserer Region, Arnsberg hatte. Als ehemaliger Mann aus dem Vertrieb, fiel es mir nicht schwer, die Idee fixe zur Marktreife zu puschen und wer als Werbepartner in Frage kommen könnte, war auch schnell klar. Die, die ich favorisierte waren angetan und zogen mit. Deshalb finden sich auf den Innenseiten des Buchcovers, die Bonnfinanz, das Maklerbüro Farin, Ebers Consult, die Schreinerei mit Umzugsunternehmen Arndt, sowie das Küchenstudio Pape. Der Obolus deckt zwar nicht die gesamten Kosten für den Druck von "Sauerland, Schützkenfest, Pilsken und was Totes", aber er trägt wesentlich dazu bei, das Projekt zu realisieren.

Das Coverbild hat die Prinzessinnenschwester, also meine Schwägerin, eben die Schwester meiner Frau gestaltet und ich find sie hat da ne knorke Arbeit abgeliefert.

 

Mitte April ´16, war die endgültige Fassung von "Sauerland, Schützkenfest, Pilskes und was Totes" feddich. Oder anders ich erklärte sie für fertig. Ich bin mir sicher, dass weder das Rechtschreibprogramm von Word ... na, das sowieso nich bei dem Sauerlandkuddelmuddel ..., noch die Lektoren, die Querleser und vor Allem ich, in der Lage waren, jeden Fehler zu finden und zu korrigieren. Das Buch ist eben "echte Sauerländer Handarbeit". Es ist nach dem Minimumprinzip entstanden, mit den vorhandenen Mitteln, das Maximum erreichen. Es hat sicher mehr Ecken, Kanten Fehler und auch Dinge, die erst erfunden werden müssen, um sie mit dem Buch in Verbindung zu bringen aber ich bin ich der, der das Projekt letztendlich für abgeschlossen und druckreif erklärt hat und trage somit auch die volle Verantwortung vom ersten Komma, über jedes Wort, bis hin zum letzten Satz und allerletzten Punkt. Das gilt übrigens auch für sämtliche Inhalte auf diesen Internetseiten. Die Verantwortung trage ich!!!

 

Nach nun mehr fast 14 Jahren, ist aus einer ... leichten Depression ... emotionale Flaute hört sich besser an wonnich, also aus der emotionalen Flaute auf Grund des Todes meines Freundes Willi, in echter Sauerländer Handarbeit mit Schmackes un Kafumm, mit Schmalz un Effett, mit Össelswerk un Pisselzeuchs, mit Pröhleken un Kaffeeprütt, mit Rabotti un Rabumm, disen Riesenapparillo entstanden, wonnich ...

 

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